Postmodern oder funktional?

Beim Warten auf den Bus morgens die Dachsparren bemerkt. Um sieben ist es dunkel, sie müssen wohl beleuchtet gewesen sein, ob von einer Straßenlaterne oder kleinen Lichtern auf der Hauskante, jedenfalls haben sie sich prägnanter abgehoben als auf diesem Tageslichtfoto mit schlechter Handykamera.

Sie kamen mir vor wie in Auf- bzw. Untersicht:

und deswegen als postmodern. Eine postmoderne Spielerei, weil es keinen Grund geben sollte, den halben Sparren nur zur einen Seite hin strahlen zu lassen, statt diagonal achsensymmetrisch zu konstruieren. Mir schien, der Architekt habe zeigen wollen, schaut, so kann man es machen, muss man aber nicht. Manche haben es so gemacht, das zitiere ich euch, aber zugleich zeige ich euch, dass man auch drauf verzichten kann.

Aber das scheint perspektivisch verzerrt zu sein. Denn aus anderen Blickwinkeln erscheinen die Sparren anders:

Es ist also keine willkürliche Symmetrieverletzung, sondern die Anlage schon ist asymmetrisch, schematisch vielleicht ungefähr so:

Nun dachte ich, also doch funktional und nicht postmodern. Zwar mag es keinen statischen Grund für den Halbsparren geben, da die langgestreckten Paneele auch ohne Stabilisierung auskommen, aber die Diagonale teilt die beiden Rhythmen wenigstens sauber ohne Spielerei.

Gern hätte ich die Entscheidung über die Postmodernizität an harte Parameter gebunden. So könnte man argumentieren, je gleicher die beiden Maße, desto eher wird es postmodern gemeint sein. Sind x und y die Paneellängen auf der einen bzw. anderen Seite der Diagonalen, dann kann man die Wahrscheinlichkeit p(PM) für postmodern vielleicht so modellieren:

Das ist zwar Quatsch, aber das dahinter stehende Problem nicht. Wie kann ich, ohne in Kommunikation zu treten, aus einer Erscheinung über einen Willen dahinter entscheiden? Ähnlich balanciert der Maler Gerhard Richter mit Zufall und Absicht.


UPDATE 30.01.2012

So wirkt das Gebälk morgens:

Eine Antwort to “Postmodern oder funktional?”

  1. Ingmar Says:

    Lehrreicher Artikel. Bereichernd, wenn man sowas auch mal aus einem anderen Blickwinkel betrachten kann.

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