Ein Erdbeben 1668

Am 25. Juli 1668 geschah ein Erdbeben der Stärke 8,5 mit Epizentrum Tancheng (郯城).

Pu Songling (蒲松龄, 1640 – 1715) berichtet in seinen Strange Tales from a Chinese Studio (聊斋志异), wie er es 200 km entfernt erlebte:

Am 17. Tag des 6. Monats [nach dem Mondkalender] des Jahres 1668 geschah zwischen 7 und 9 Uhr abends ein großes Erdbeben. Ich befand mich in Jixia und trank bei Kerzenlicht mit meinem Vetter Li Duzhi, als wir plötzlich ein Geräusch wie einen Donner hörten, das von Südosten kam und nach Nordwesten ging. Jeder war schockiert und aufgeregt und rätselte über das Geräusch. Bald fing der Tisch an zu wackeln und die Weinbecher fielen um. Die Ziegel, Balken und Säulen des Zimmers verzogen sich und knackten. Wir schauten uns an und wurden beide bleich. Es brauchte eine Weile, bis wir realisierten, dass es ein Erdbeben war. Wir rannten beide nach draußen. Mehrstöckige Gebäude und Hütten schwankten und stellten sich wieder auf. Das Geräusch von zusammenstürzenden Mauern und zusammenbrechenden Häusern vermischte sich mit den Schreien von Kindern und Frauen zu einem kochenden Aufruhr. Die Menschen waren zu benommen aufrecht zu stehen, also setzten sie sich auf den Boden und wurden von den Erschütterungen der Erde durchgeschüttelt. Das Wasser des Flusses wurde 10 Fuß in die Höhe geschleudert. Durch die Straßen tönte des Schreien der Enten und das Bellen der Hunde. Es dauerte ungefähr zwei Stunden, bis die Erschütterungen langsam verklungen. Wir schauten auf die Straße, wo unbekleidetete Männer und Frauen sich sammelten und aufgeregt einander berichteteten und ganz vergaßen, dass sie noch nicht angezogen waren. Später hörte ich, dass ein Brunnen da und da eingehöhlt war und man kein Wasser mehr draus schöpfen konnte. Die Nordseite des Pavillons einer gewissen Familie zeigte nun nach Süden. Der Berg Qixia war aufgebrochen. Und der Fluss Yi war in einem Krater von ein paar zehntel Hektar Fläche verschwunden. Das waren wirklich Abnormalitäten in der Ordnung der Natur.

Unvermittelt schließt Pu Songling eine andere Anekdote an. Auch da vergisst eine Mutter, dass sie nicht korrekt gekleidet ist, weil sie ihren Sohn aus dem Rachen eines Wolfes retten wollte. „She pointed and gesticulated as she described how the wolf had held her child in its jaws and how she pulled it away. This continued for quite a while before she suddenly realized she was not wearing a thread on her body.“ (Ü: Mair) Das Gelenk für Pu Songling ist, wie unbedacht sich Leute in Panik verhalten.

Der Holzschnitt zeigt zusammengebrochene Gebäude, aber das, in dem Pu Songling und sein Cousin sitzen, nicht. Die minderbekleideten Menschen stehen beisammen und greifen sich teilweise an den Kopf. Das wogende Feld sehe ich als den erwähnten Fluss, aber vielleicht ist es auch bloß ein Weizenfeld..

Eine Antwort to “Ein Erdbeben 1668”

  1. Roland Says:

    Wollen wir mal hoffen dass die tektonischen Platten inzwischen inaktiv sind. In einer Entfernung von nur 72,96 km steht heute das Kernkraftwerk Tianwan.

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