Seegangsskala

Im Wörterbuch des modernen Chinesisch (现代汉语词典) eine Tabelle (表), die für Stufen (等级) des Seegangs (海况) die Symptome (症状) an der Meeresoberfläche (海面) anführt:

0. Die Meeresoberfläche ist glatt wie ein Spiegel.
1. Leichtes Kräuseln des Wassers.
2. Die Wellen sind klein, ihre Kämme beginnen zu brechen, aber ihre „Blüte“ (花) ist nicht weiß, sondern gläsern.
3. Die Wellen sind nicht groß, aber fallen ins Auge. Die Wellenkämme brechen, örtlich bilden sie weißen Schaum – weiße Wellen.
4. Die Wellen besitzen erkennbare Gestalt, überall weiße Wellen.
5. Es treten hohe Wellenkämme auf, Schaum bedeckt den Großteil der Wellenkämme, Wind beginnt den Schaum von den Wellenkämmen zu wehen.
6. Von den Wellenkämmen gewehter Schaum beginnt auf den Wellenflanken lange Bänder zu bilden.
7. Vom Wind verwehte Schaumbänder erstrecken sich über Wellenflanken und erreichen mancherorts Wellentäler.
8. Dichter Schaum bedeckt die Wellenflanken, die Meeresoberfläche ist weiß geworden, nur in Wellentälern gibt es manchmal Stellen ohne Schaum.
9. Die ganze Meeresoberfläche ist mit einer dichten Schaumschicht bedeckt, die Luft ist voller Wassertropfen und Gischt, die Sicht sehr schlecht.

Das Zeichen für Welle (波 bō) habe ich zum ersten Mal im Katalog „Im Schatten hoher Bäume“ zu Gesicht bekommen. Dort war Su Shis „Fahrt zur Roten Wand“ in einem von Peng Nian (彭年, 1505 – 1566) geschriebenen Kolophon zum gleichnamigen Gemälde von Qiu Ying (仇英, ca. 1494 – 1552) abgebildet:

Es erscheint früh, gleich nach dem klassischen Entrée, Zeit, Personen und Ort angebend:

清风徐来
水波不兴

Verhalten ging ein reiner Wind:
Kaum eine Welle regte sich.

(übersetzt von Günter Debon)

Mit diesem Katalog begann ich Chinesisch zu studieren. Er war mein Stein von Rosette, weil das komplette Prosagedicht Su Shis in beiden Sprachen abgedruckt war. Als erstes gelang mir den Mond (月) zu identifizieren. Ich versuchte in der Stadtbücherei zu Düsseldorf Wörterbücher zu wälzen und hatte enorme Auffindeprobleme, bis mir die Radikalsortierung langsam ins Blut floss.

So ist die Welle (波) unter dem Radikal 水 Wasser, das am linken Rand ⺡ geschrieben wird, einsortiert. Das Radikal Wasser ist das 85. von 214 und an zusätzlichen Strichen werden 5 benötigt, um das Zeichen komplett zu schreiben. Das ergibt die Zahl 85.5 als skalaren Auffindewert. Damit findet man das Zeichen ruckzuck in jedem traditionellen Wörterbuch. Um es in einem modernen zu finden, reicht es, seine Aussprache bō zu wissen, denn dort sind sie alphabetisch nach Aussprache sortiert. Doch wird auch ein Radikalindex geboten.

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