Koinzidenz?

Ehe die Koinzidenz zweier Bücher zu bezahlen ist, wäre die Wahrscheinlichkeit in einem zu beziffern.

Wenn nicht jeder schwimmen kann, ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Held es nicht kann und der Satz: „Ich kann nicht schwimmen“ geäußert wird, verschieden von Null. Doch kommt nicht nur der Held vor, sondern vielleicht bis zu sechs Personen, für die das Bekenntnis in Betracht käme. Können alle schwimmen, kommt der Satz „Ich kann nicht schwimmen“ auf keinen Fall vor. Kann keiner schwimmen, soll der Satz für dieses Modell – der Roman ist gewissermaßen körper- oder sportbetont – auf jeden Fall auftauchen. Wie sehen nun die differenzierten Wahrscheinlichkeiten aus, dass der Satz „Ich kann nicht schwimmen“ im Roman treibt?

Kann die Romanbevölkerung zu 80 Prozent schwimmen und stehen nur zwei Personen im Zentrum, beträgt die Wahrscheinlichkeit, dass mindestens einer „Ich kann nicht schwimmen“ bekennt, 36 Prozent. Sie steigt, je mehr Personen körperlich aktiv sind im Roman und beträgt bei sechs Personen dann schon 74 Prozent. Anders formuliert, ist die Chance, dass alle schwimmen können, bei sechs Protagonisten nur noch 26 Prozent, auch wenn durchaus vier von fünf schwimmen können.

Im DGdW sind eigentlich nur Marijan und Leonie ins Schwimmen involviert. Höchstens kann man Maddox und Tilli noch hinzurechnen. Fast 10 Prozent in Deutschland outen sich als Nichtschwimmer. Die Wahrscheinlichkeit, dass im DGdW, sehen wir ihn als Sportroman an, der Satz „Ich kann nicht schwimmen“ die Oberfläche erreicht, beträgt also zwischen 19 und 34 Prozent.

Denselben Prozentsatz für DKvsut vorausgesetzt, liegt die Wahrscheinlichkeit für eine Koinzidenz zwischen 0,19*0,19 und 0,34*0,34, das ist zwischen 0,04 und 0,12, also maximal 12 Prozent. Wahrscheinlicher ist nun tatsächlich, dass nicht in beiden Büchern zugleich einer nicht schwimmen kann!

Andererseits hat Mărginime keinen Fluss, sonst wäre er von Silvana erwähnt worden, genausowenig wie das Dorf, aus dem Herta Müller stammt, sonst hätte er in „In jeder Sprache sitzen andere Augen“ eine Rolle gespielt. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Marijan blind in Berlin das Schwimmen nicht mehr gelernt hat und Herta Müller hat es offenbar 15- bis 17-jährig in der Stadt auch nicht gelernt. Insofern ist es nicht mehr ganz so verwunderlich, dass beide von sich sagen: Ich kann nicht schwimmen. Die Koinzidenz entspringt einem gemeinsamen Ausgangspunkt, dem Aufwachsen in zwei flusslosen Dörfern in Siebenbürgen und dem Banat.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: