Zweiter Vergleich

Und links ist rechts in der Nacht, spiegelverkehrt. (Herta Müller)

Montag Der König verneigt sich und tötet gekauft. War früher als gedacht aus einer Veranstaltung entlassen worden, vertrödelte nicht viel Zeit bei Kalk Kapelle:

und kam eine Stunde zu früh am Neumarkt an. Konnte dem Impuls, erneut in die Mayersche zu gehen, nicht widerstehen. Unter T wie Torik nach wie vor nichts, unter M wie Müller mehr als zuletzt. Ich schlug Der König verneigt sich und tötet auf sowie das Herztier. Nachdem Torik sich den Titel borgte und die aufgeschlagene Seite ein Bleigießen zeigte, folgte ich dem Kaufimpuls, obwohl ich neben den Schwimmsachen noch den wieder zu lesenden Doktor Faustus in der Tasche hatte.

Nun also das neu Erworbene mit dem Geräusch des Werdens verglichen:

„Wir horchten mehr mit den Augen als mit den Ohren.“ (DKvsut 74.-11). Spiegelverkehrt sieht Marijan Leonie nicht lächeln, sondern hört es: „Ich spürte, dass sie dabei lächelte. Die Mundwinkel verziehen dann die Worte um eine Nuance.“ (DGdW 350.7).

„Jeder versucht doch das Leben auf seine Weise, nicht wahr?“ (DGdW 299.-10). „Sie wussten, wie man lebt, und ich nicht.“ (DKvsut 11.12).

Müller und der Nachbarjunge setzen sich nebeneinander auf die Kapellentreppe und „machten einer den andern auf die Gräber aufmerksam, aus denen gerade eine Seele flog.“ (DKvsut 89.-10) „Wir saßen daneben und beobachteten, wie die Seele den Körper durch den offenen Mund verließ.“ (DGdW 39.15).

Ioans Großvater hat Schuhe hergestellt „nach den individuellen Anforderungen seiner Kunden, nach Gangart und Auftritt“ (DGdW 60.10). „Aber damals hatte ich so viele Tote gesehen, die ich als Lebende gut kannte, ihre Stimmen und Gangarten.“ (DKvsut 47.13).

Die Enten auf der Lahn „ließen sich das leere Wasser in die gelben Schnäbel hineinlaufen, schlenkerten mit ihren Köpfen und eigelben Schwimmhäuten der Füße, sie kauten die Tropfen durch und ließen sie aus den Schnäbeln wieder herausrinnen.“ (DKvsut 108.14). Marijan in Berlin: „Ich erinnere mich an ein Paar Schwimmflossen und an einen Schnorchel, das ist kaum ein Jahr her. Waren die gelb?“ (DGdW 257.9). Später: „Ich will mir einen Schnorchel und gelbe Schwimmflossen kaufen.“ (DGdW 362.-16).

„Der König ließ sich nicht in die Karten schauen.“ (DKvsut 60.-3). „Dann würden die Karten auf den Tisch gelegt.“ (DGdW 129.17).

Lydija „war die Besitzerin eines kleines Friseursalons.“ (DGdW 67.3). „Es gab den Friseur für die Männer, den Coiffeur für die Frauen. Es war undenkbar, dass Frauen und Männer in denselben Laden gehen.“ (DKvsut 70.10).

„Ich öffnete eins nach dem anderen die Flakons, hielt sie an die Nase.“ (DKvsut 132.16). „In diesem Moment geht eine Kundin vorüber, der Flakon fällt zu Boden und zerspringt in tausend Teile.“ (DGdW 161.2).

„Ich sehe meiner Frisur auf jedem Foto an, wie es meiner Mutter am Morgen dieses Tages, während sie mich kämmte, zumute war.“ (DKvsut 70.15). „Jedes Mal, wenn sie mich abholte, trug sie die Haare anders.“ (DGdW 67.9).

„Seine Söhne, die beiden Varianten, wie sie inzwischen von allen genannt wurden, waren gerade vierzehn Jahre alt.“ (DGdW 37.-1). „Nun aber stand ich auf dem Bahnsteig, und sie hatten auch für diesen Fall eine dritte Variante parat.“ (DKvsut 115.-1).

„Manche Särge standen dicht und senkrecht an der Wand wie Zäune.“ (DKvsut 47.-5). „Die weißen Kreuze sahen aus, als stünden die Toten und schauten ins Dorf herunter.“ (DGdW 149.-1).

Die Liebe „steht dort, wo die Füße und der Kopf stehen.“ (DKvsut 172.6). „Sie seien gekommen, sagte der, um gegen die am vorigen Abend geäußerten Absichten zu protestieren. Dagegen, dass ich alles auf den Kopf stellte. ‚Ich stelle es lediglich wieder auf die Füße‘, antwortete ich.“ (DGdW 153.16). „Ihr Leute aus der Stadt lebt ja auch auf dem Kopf. Hier auf dem Land, musst du wissen, leben wir lieber auf den Füßen.“ (DGdW 154.11).

„Wegen der Nähe zu Pflanzen, in die ich als Dorfkind geraten war, schrieb ich auch den Stadtpflanzen Absichten zu.“ (DKvsut 92.-1). „Aus dem einen wird ein Dorf- und aus dem anderen ein Stadtbewohner.“ (DGdW 156.-11). „Ich traf in der Stadtschule auf die Insel der Dorfkinder unter den Stadtkindern. Es war ein deutsches Gymnasium, aber die gut gekleideten, schlagfertigen, im Profilieren tüchtigen Schüler kamen aus rumänischen Nomenklatura-Familien.“ (DKvsut 164.-16). Der Stadtvarian „war gewandt, witzig und schlagfertig“ (DGdW 157.3). „Die Städter waren geschmeidig, sie konnten scharwenzeln mit dem Körper und mit der Zunge.“ (DKvsut 164.-5).

Marijan: „Woher willst du das wissen? Ich kann nicht schwimmen.“ (DGdW 15.-14). „Wahrscheinlich wagte ich mich vertrauend aufs Grasland ins tiefe Wasser hinein, ohne daran zu denken, dass ich nicht schwimmen kann.“ (DKvsut 95.-3).

„Auch die anderen Möbel, der Tisch, die Stühle, das Regal an der Wand, waren nicht gekauft worden. Das hatte offenbar jemand gebaut. Es musste hier einen Tischler geben.“ (DGdW 150.9). „Das Holz zeigte mir dort in der Werkstatt alle Stationen zwischen dem Geborenwerden und Sterben auf. Die Lebenszeit lag da als Arme voller Kochlöffel, Hackbretter, Kleiderbügel. Zwischen Schränken, Nachtkästchen, Betten, Stühlen und Tischen sahen die Särge so gewöhnlich aus, wirklich Möbel für die Erde.“ (DKvsut 45.-10). „Ich sprang auf. Ich wollte etwas tun. Ich musste arbeiten. Ich war Zimmermann. Ich wollte einen Sarg machen, einen schönen Sarg.“ (DGdW 121.10).

„Es war eine Gehschule, jeder Tag musste neu laufen lernen, und gegen mein Wissen, dass er gar nicht laufen kann.“ (DKvsut 136.-15). Marijan: „Im Krankenhaus hatte man meiner Mutter nahegelegt, mich zu einem Mobilitätstraining anzumelden.“ (DGdW 100.-9).

Eine Antwort to “Zweiter Vergleich”

  1. Aleatorik » Ich habe Besuch und wir amüsieren uns königlich Says:

    […] Und dann Der König verneigt sich und tötet, hier. […]

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