Beim Barte des Antonius

Athanasius (+ 373) lässt Antonius (+ 356, der in der Wüste von Dämonen versucht wurde) sich gegen Reliquienverehrung aussprechen. Daher zieht er sich zum Sterben in die Wüste zurück und schärft seinen Pflegern noch einmal ein, dass er begraben und nicht in Häusern aufbewahrt und verehrt werden möchte. Deshalb wunderte es mich, als ich von seiner Bartreliquie in St. Kunibert las.

Am frühen Freitagfeierabend ging ich es mit dieser Skizze checken.

Fährt man mit der S-Bahn über die Hohenzollernbrücke, sieht man St. Kunibert stromabwärts am westlichen Ufer liegen:

Vorher lenkt die barocke Ursulinenkirche in der Machabäerstraße den Weg des Touristen ab. Sie beherbergt die Ursulinenschule und ich sah hinter gelben Autos vereinzelt Schülerinnen die rechte Tür raus- und reingehen.

Das romanische St. Kunibert sieht trutzig aus. Ob es 1998 renoviert oder so wurde?

Das Hauptportal ist von Toni Zenz (* 1915) gestaltet:

Der Baum und Noah rechts unten erinnern mich an die Arche, die noch (mindestens!) bis September im Rheinauhafen liegt und biblische Szenen zeigt. Adam und Eva links unten auch.

Im Bus gestern früh eine farbige Mutter mit ihren beiden Töchtern. Der Bus hielt eine ganze Weile in einer Bahnunterführung vor einer roten Ampel. Die Unterführung mit zahllosen Gigplakaten bekleistert. Die Grundschulmädchen wiesen einander auf Abbildungen hin. Die eine sprach zur anderen von einem blauen Kopf. Die andere sah ihn nicht. Die eine erklärte, hinter dem mit dem Hut. Mich interessierte es und ich blickte von Dichtung und Wahrheit auf, da war es ein (blauer) Totenschädel. Auch die Mutter hatte das Gemeinte erkannt, schaltete sich ein, sprach aber auf Französisch, was ich nicht verstand. Fantasierte, dass sie korrigierte, es sei kein Kopf, sondern ein Toten-. War aber nur unvollendete Speculation.

Da liebte wer den Papst. Der seitliche Eingang war verschlossen, erst ab drei Uhr wieder geöffnet. Orgel klang heraus.

Was Altes in was Neues integriert.

Kunibert hinter kohlschwarzen Scherenschnitten.

Bildwerke (tippe: frühe 60er Jahre) am Pfarrbüro:

St. Kunibert vom Rheinufer (es heißt hier Konrad-Adenauer-Ufer) her:

Die mächtigen Türme hinter Bäumen und fast verliebten Schülern:

Just in time for drei Uhr wieder an der Kirche, den Clemensbrunnen von Titus Reinarz (* 1948) betrachtend:

Die Tür stand nicht offen, war aber offen.

Die Schatzkammer, Zweck des Ausflugs, ragt korrekt kubisch am in der Skizze durch ein X markierten Ort. Mein erstes Foto galt dem bärtigen goldenen Kopf des Antonius, klar:

Vor der goldenen Wand thront die Antoniusbüste in der Mitte, links und rechts davon ein Armreliquiar (offenbar nur eines von seinem Arm, die andere vom Arm des …), darüber links oben ist noch was komisches Kleines und rechts unten noch ein separater Glaskasten. Doch die Architektur der Schatzkammer ist anderweitig zu vermitteln, z.B. so:

Die Südwand des Kubus bildet den Eingang. Schwer verschlossen wirkt er, verschlossen aber nur durch ein gewöhnliches Wohnungstürschloss, scheint mir.

Die rote, die goldene und die blaue Wand:

In näherer Umgebung eine Statue des Antonius von Padua (+ 1231), dargestellt mit einem Buch in der Hand, auf dem der Knabe sitzt. In der anderen hält er eine Blume. In der Remagener Apollinariskirche war er ebenfalls mit Knabe und Buch im einen Arm dargestellt, im anderen dagegen ohne Blume, jedoch mit Geste. Neben der Statue fordert ein Opferstock auf: „Zu Ehren des / hl. Antonius / für die Armen / Opferkerzen“.

Der bärtige Antonius, fast berührt seine Nase das Panzerglas, sein Bart einem Eiszapfen gleich herabhängend:

Andächtig:

Antonius d.J. über Antonius d.Ä.:

In der Kirche sonst eine Mischung aus scheinbar altromanischen Fresken (Betreten des Chors verboten!) und moderneren Bildwerken, die Stifter integrieren. Zu einem Bild notierte ich: „Eine Himmelfahrt, wo man oben nur noch den unteren Saum des Gewands und die bloßen Füße aus dunkler Wolke ragen sieht und unten zwei dunkelgrüne Fußabdrücke auf einem gräsernen Hügel seinen ehemaligen irdischen Standpunkt markieren. Drumherum viele Personen, 6 rechts und 7 links.“ Das eine rechte Flügeltafel, die linke daneben ebenso groß, deren Inhalt (jemand hielt eine Fahne mit rotem Kreuz auf weißem Grund empor?) ich nicht notierte.

Die Mauern von St. Kunibert so dick, dass man die Kinder im angrenzenden Fröbelkindergarten nur wenig lärmen hörte.

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