Duns Scotus

In schlecht durchschlafener Nacht drei Gestaltwerdungen Johannes Duns‘ Scotus gefunden. Das genügte, um einen kleinen Ausflug gestern zu rechtfertigen. Besuchte die Minoritenkirche, das Südportal des Doms und den Rathausturm.

Minoritenkirche

Die schweren Portaltüren von Paul Nagel 2006 stellen links den subtilen Gelehrten und rechts Adolph Kolping dar. Irgendwo ist zu lesen, dass 6 Zentner Bronze verbraucht wurden für die Türen, die insgesamt 4,25 Meter hoch und mehr als 4 Meter breit sind. Die Fläche beträgt also 4,25*4 = 17 Quadratmeter. Bronze hat eine Dichte von 8,8 g/cm^3 = 880 kg/m^3. 6 Zentner sind 6*50 = 300 kg. Das macht ein Volumen von 3/8,8 = 0,34 m^3. Die Türen sind also 0,34/17 = 0,02 m, doch nur 2 cm stark. Mir kam die Tür dicker vor, vielleicht ist sie am Rand verstärkt.


Er schreibt als Franziskaner gewandet, neben ihm steht Maria, da die Kirche namentlich St. Maria Empfängnis heißt. Was er schreibt, ob Nagel einen wirklichen Text benutzt hat, kann ich aufschauend nicht erkennen:

Maria hält eine Rose, die unterhalb des recht flachen Reliefs plastischer heraustretend als Strauß wiederkehrt und der Türgriff ist eine Muschel, Symbol der Reinheit.

In der Kirche Weihrauchgeruch, rechts Kolpings Sarkophag und links Duns‘ Scotus von Josef Höntgesberg 1957:

Hier sind die Schriften lesbar, wenn auch typografischer Gestaltung halber mühsam entzifferbar:

Die Frontseite, auf die man von der Tür her zuläuft, hat:

SCOTIA / ME GENUIT / ANGLIA ME SUSCEPIT / GALLIA ME DOCUIT / COLONIA ME / TENET

Schottland hat mich geboren, England hat mich aufgenommen, Gallien hat mich ausgebildet, Köln bewahrt mich.

Die Cs haben den oberen Galgen so kurz, dass ich DOLUIT gelesen und verletzt gedacht hab.

Ins Buch schreibt seine Hand seine Meinung zur unbefleckten Empfängnis konzis:

DECUIT POTUIT FECIT

Es ziemte sich, er konnte es, er tat es.

Das Problem besteht darin, dass Jesus als Verkörperung Gottes zwar ohne irdischen Vater, aber doch von einer irdischen Mutter, Maria, geboren wurde. Diese sollte eigentlich als Nachkommin Adams mit der Erbsünde befleckt sein. Man musste sich den Kopf darüber zerbrechen, wie die Linie der Erbsünde nach Christus hin zu unterbrechen sei. Duns Scotus entscheidet nun einfach, es gehörte sich so, dass die Muttergottes ohne den Makel ist, Gott konnte es einrichten, dass es so ist, also tat er es. Mit Allmacht wird Widerspruch aus dem Weg geräumt.

Das ausliegende Faltblatt stellt mit Genugtuung fest: „Viele Jahrhunderte später gab ihm die Kirche recht“ und führt das Dogma von der Unbefleckten Empfängnis 1854 durch Pius IX. an.

Zwei Tafeln an der Wand erinnern an Johannes Paul II.:

PAPST / JOHANNES PAUL II / BESUCHTE / HIER IN DER / MINORITENKIRCHE / SEL. DAS GRAB VON / JOHANNES DUNS SCOTUS // AM 15. NOV. 1980

AM 20. MÄRZ 1993 / HAT PAPST JOHANNES / PAUL II. IN FEIERLICHER / WEISE GESTATTET, DAß / DER HIER RUHENDE / JOHANNES / DUNS SCOTUS / IN DER GANZEN KIR- / CHE ALS SELIGER VER- / EHRT WERDEN DARF

Auf dem Rückweg zum Einlass neben einer Marienstatue auf einer Wolke eine grobe Tafel angebracht für Alojzije Stepinac mit plastisch herausmodelliertem Kopf. Neben den Lebensdaten „beatificat 3.10.1998“ eingeritzt. Die Signatur zirka so, offenkundig 2008 von Thomas Kesseler geschaffen:

Vor der Kirche zeigt ein Denkmal Kolping neben einem Gesellen mit seinem Bündel, flankiert von zwei langen Fahnen, schwarz-orange geteilt in den Farben des Kolpingwerks.

Südportal des Doms

Die linke Tür des Südportals zieren sieben Figuren von Ewald Mataré 1948. Wegen einer Absperrung kam ich nicht nahe heran und konnte nicht erkennen, welche Duns Scotus darstellt. Es ist diese:

Rathausturm

Vor dem Rathaus wurde gerade Hochzeit gefeiert. Jeannie und Stevie aus Bergheim heirateten. Hatte Mühe, mich durchzudrängen.

Unter den zahlreichen 124 Figuren, die den Turm in verschiedenen Höhen rundum zieren, hatte ich Mühe, Duns Scotus aufzufinden. Ein Umrunden ist schwierig, weil auf dem Alter Markt für die U-Bahn gebaut wird und man nicht an den Fuß des Turms herankommt, und südwestlich des Rathauses in der Archäologischen Zone gebuddelt wird.

Am Ende stand ich wieder vor der Westfront und entdeckte Duns von Andreas Dilthey 2008 doch noch. Mit Brille sein Name so gerade noch lesbar.

Resümee

Insgesamt war ich etwas enttäuscht. Es mag daran liegen, dass die gesehenen Verkörperungen allesamt aus der Nachkriegszeit stammen und ihnen romantischer Reiz eines Rauchs aus den Tiefen der Zeit fehlt. Johannes Duns Scotus ist 1308 erst 44-jährig gestorben. Die älteste Verkörperung gestern ist von frühestens 1948. Damit reichen die Darstellungen gerade einmal (2012-1948)/(2012-1308) = 64/704 = 9 Prozent an den Dargestellten heran.

Dazu kommt die Darstellungsweise ohne Geheimnis. Kein Symbol als Attribut, das eine weiche Kontur zeichnete und die Figur erwägenswert mit unverbundenen Dingen in ahnungsvolle Verbindung setzte. Einfach ein Mensch in schlichter Kleidung, der schreibt.


UPDATE 17.06.2012

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