Eloquente Katharina

Die Kirchen Nr. 8 und 9 meiner kleinen romanischen Tour waren St. Aposteln und St. Maria Lyskirchen. Verbinden tut sie vielleicht Katharina von Alexandrien (+ 4. Jh.), deren
Statue unter den 14 Nothelfern in St. Aposteln steht und deren Legende ans Gewölbe von St. Maria Lyskirchen gemalt ist.

Sie hilft bei Leiden der Zunge und Sprachschwierigkeiten, weil sie hochgelehrte Philosophen niederreden konnte. Ihr Attribut ist das Rad, welches Engel zerbrachen, als sie gerädert werden sollte. Hier hält sie den Palmzweig des Märtyrertums und das Schwert, weil sie enthauptet wurde. Goldene Lilien auf ihrem blauen Mantel deuten auf königliche Herkunft. Auf den weißen Kragen fällt ein weißes Kopftuch vom Hinterkopf hernieder, ohne ihre braunen Locken besonders zu verstecken.

St. Aposteln

Vor ein paar Jahren war ich mal drinnen, als eine Glocke, welche Benedikt XVI., ganz frisch im Amt, auf dem Weltjugendtag geweiht hatte, hier angebracht worden war. Die Pilgerströme zum abseits gelegenen Marienfeld hatte ich mit dem Fahrrad verfolgt, nachdem ich den körperlich kleinen Benedikt zuvor lediglich vor der Synagoge in der Roonstraße als Augenzeuge erlebt hatte und per Fernsehen auf dem Rhein. Kam vor der Vigil oben im Bauernland an und wählte den Rückweg anders, ein Entgegenkommen der meist jungen Zusammenströmenden scheuend. Fuhr über Frechen hinab, wo Straßen von Ordnern gesäumt waren, weil der Papst hier mobil hinauffahren wollte. Hatte mich gefragt, wie sie in den Turm gehievt worden ist. Ich glaube, damals gab es eine Gedenktafel, aber jener Eingang war diesmal wegen Bauarbeiten geschlossen.

Kam jetzt diagonal gegenüber rein und war gleich bei den 14 Nothelfern. Im nördlichen Querhaus wurde gebaut oder erstmal ein Gerüst errichtet. Laut knallten Bretter auf Stangen, während ich besichtigte. Heute erzählt mir eine Nonne, welche die Kirche besorgt und mich ausfragt, warum ich das Epitaph abschreibe, dass die Glasfenster undicht seien, und zeigt auf schwarze Rinnsalspuren auf weißen Wänden. Die Nothelferecke sei schon fertig besorgt. Die Nothelfer sind:

Cyriacus, Margaretha, Catharina, Barbara, Blasius, Egidius, Pantaleon, Georgius, Vitus, Achatius, Eustachius, Erasmus, Dionysius, Marienaltar, Christophorus, und beliebt beim Volk.

Dionysius von Paris trägt sein Haupt in Händen, Vitus‚ (cf. Veitstanz) Gesicht ist überdimensioniert und fleischig.

Die drei Frauen unterscheiden sich in Körpergröße, Gesichtsbildung und Mode. Links Barbara, in der Mitte Katharina, rechts Margaretha, die einen Drachen gekettet hat und arrogant wirkt:

Der Marienaltar wurde Montag gerade restauriert. Auf einem Gerüst saß eine junge Restauratorin, die im Strahlerlicht tätig war. Heute nichts mehr davon zu sehen.

Im südlichen Querhaus ein Sarkophag von Erzbischof Pilgrim, darüber eine Statue, Erzbischof Heribert darstellend. Über Heribert schreibt Schedel auf Blatt CLXXXVIII:

Heribertus, Erzbischof zu Köln, leuchtet dieser Zeit an Tugenden und Heiligkeit.

Ein Renaissanceepitaph nennt als ersten einer ganzen Sippe Hieronijmi Wolff dicti Metternich in Gracht Friesheim, der ab A° 1592 hic quiescentibus. Ich werde mich getäuscht haben, las es Manieris et hidicaberis überschrieben.

Katharina von Alexandrien

Hartmann Schedel schreibt Katharinas Geschichte auf Blatt CXXVIII auf:

Da trat Katherina, achtzehn Jahre alt, kühn unter das Angesicht Maxencii und strafte ihn um die eitlen Ehren der Götter und um seine Grausamkeit. Maxencius hieß Katherina in den Palast führen und mit allem Fleiß bewahren. Als er sie aber nach dem Opfer verhört und sich ihrer Redsprechigkeit und Weisheit verwundert, da schickt er fünfzig weltweise Männer zu fordern. Dieselben wurden von ihr überwunden, im Glauben bestätigt und darum verbrannt.

Wie ist der Disput verlaufen und mit welchen Argumenten hat sie die Weltweisen von ihrer Religion überzeugt? In der Legenda aurea ist es dürr abgehandelt:

Nam Plato astruit deum circumrotundum et decurvatum; Sibilla quoque sic ait: ‚Felix ille deus, ligno qui pendet ab alto‘.

Digitalisate haben eher was wie detruncandum, hier und hier.

Eine Interpretation macht daraus:

Plato nenne nämlich Gott eine gebogene, aber unvollkommene Kreislinie, und auch die Sibylle habe gesagt: „Glücklich der Gott, der vom hohen Kreuze hängt!“

Bei Petron prahlt der Neureiche Trimalchio damit, dass er die Sibylle gesehen:

(48,8) nam Sibyllam quidem Cumis ego ipse oculis meis vidi in ampulla pendere, et cum illi pueri dicerent: Σίβυλλα, τί θέλεις; respondebat illa: ἀποθανεῖν θέλω.’

Ja, ich habe sogar selbst mit eigenen Augen die Sibylle gesehen: in Cumae hing sie in einer Flasche und wenn die Kinder sie auf Griechisch fragten, ‚Sibylle, was willst du?‘, antwortete sie, ‚Sterben will ich.‘
(übersetzt von Harry C. Schnur)

St. Maria Lyskirchen

Die Kirche zeigt gleich am Portal ehemalige Hochwasserstände an. Über der Tür steht „Rheinhöhe 28. Febr. 1784“. Nach dem seitlichen Eintritt begrüßt einen die Schiffermadonna. Jesus hält dem Besucher mit der Linken einen Apfel entgegen. Die Statue von um 1420 soll im 18. Jh. aus Walherberg auf dem Weg nach Bonn, der Location von Strombergs Finsdorf, erworben worden sein. Das Fresko hinter ihr schätze ich auf aus den dreißiger Jahren. Ein Schiffer mit offenem Kragen hat die weißen Hemdsärmel hochgekrempelt. Ein Anker, wohl als Anhänger einer Halskette, schmückt seine Brust unter der Kehle oder ist eine Tätowierung. Sein Schiff heißt Stern des Meers, Maris Stella. Links sieht man die Kirche selbst, wie vom Rhein aus gesehen:


Bis auf ein paar Klappstühle um ein paar Pfeiler ist die Kirche ganz ohne Bestuhlung.

Der Jesus einer alten Madonna hält einen Vogel in seiner Rechten:

Eine Verkündigung und eine Grablegung:


Ein Bischof trägt eine Mitra auf dem Kopf und zwei auf einem Buch:

Im Nordgewölbe von St. Maria Lyskirchen die Katharinalegende in 8 Szenen um 1280 dargestellt:

Laut Auskunft der Kirche stellen die Szenen dar:

  • Die Heilige vor dem Kaiser
  • Disput mit den Philosophen
  • Verbrennung der bekehrten Philosophen
  • Kaiserin Faustina und Feldherr Porphyrius besuchen die Heilige im Gefängnis
  • Zerstörung des Rades
  • Marter der Heiligen
  • Enthauptung der Heiligen
  • Bestattung der Heiligen

Lese ich die Legenda aurea, kommt mir die Szene der Marter der Heiligen eher als Marter der bekehrten Kaiserin Faustina vor, welcher laut Legende die Brüste abgerissen wurden, die hier vom einen Schergen durchstochen und vom andern gebrandmarkt werden. Katharina hat der Legende gemäß solches nicht erlitten, sondern wurde kurzerhand enthauptet, wovon man den Schnitt noch in der Bestattung sehen kann.

Zur Genese heißt es: 1879-1881 Entdeckung, Freilegung und ergänzende Übermalung der Gewölbemalereien durch Matthias Göbbels. 1973-77 Restaurierung der Gewölbemalereien.

Im Südgewölbe steht der Katharinenlegende die Nikolauslegende von 1270 in blasseren Farben gegenüber, von der ich nur ein Bild hab:

  • Errettung von Schiffbrüchigen
  • Tod des Heiligen

Tauben

In St. Ursula soll eine Taube, welche sich während einer Predigt des Kunibert auf dem Kirchenfußboden niederließ, den Ort der Gebeine der Ursula angezeigt haben.

In St. Aposteln schwebt eine goldene Taube von Sepp Hürten, den heiligen Geist verkörpernd, unter einem Strahlenkranz überm Altar:

Rechts der Sarkophag Pilgrims und die Statue Heriberts. Oben eine Deckenbemalung von Hermann Gottfried, die Apokalypse darstellend. Hinten links und rechts eines geöffneten Buchs jeweils sechs Apostel, nominehalber.

Vor der Minoritenkirche eine Taube auf Schall von Bells (汤若望) Kopf:

Auf dem Weg vom Supermarkt eine tote Taube, welche vermutlich unter ein Auto gekommen ist:

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