St. Pantaleon

Die große Basilika erinnert an jene von Trier. Schritte auf dem Fliesenboden hallen laut, es empfehlen sich leise Sohlen und leichte Besucher. Jedes Klicken von Fotoapparaten stört.

Als ich Samstagnachmittag die Kirche erreichte, war auf dem Rasen vor ihr gerade eine Hochzeitsgesellschaft zugange. Ich drückte mich dran vorbei, die Linse des Fotografen scheuend, und störte die Kreise der Feiernden, welche den Raum in Beschlag genommen hatten. In die Kirche trappelte später ein jungdamenhaftes Pärchen in Festgewändern hinein, vom Sekt zu Lautstärke angeregt, und eine Gruppe von zwei Männern und einer Frau bedankte sich bei jemandem sich für die gelungene Zeremonie, ihren Dunstkreis besetzt haltend und keine Anstalten machend, die Schritte eines Touristen ihn durchschneiden zu lassen. Nichtsdestotrotz verloren sich auch ein paar Kirchenbesichtiger in der hallenden Halle.

Das Kloster nebenan hat hinter einem engen schwarzen Gitter eine Ikone, von der ich nicht weiß, ob sie Pantaleon darstellen soll.

In der Kirche begrüßt einen nach der laut knarrenden Tür gleich eine Erinnerung an Benedikts Besuch 2005. Ich fragte mal einen erzkatholischen Kollegen, warum so viele Gemeinden zusammengelegt werden. Vermutete Gläubigenmangel, doch er nannte Priestermangel. Ja, gibt es denn nicht in anderen Weltgegenden einen Priesterüberschuss, den man – wie jenen Inder nach Rösrath – hierher schicken könnte?

St. Pantaleon ist 1987 von Josef Kardinal Höffner Opus Dei übergeben worden. Diese Personalprälatur – ein Schicksal, welches die abtrünnigen Piusbrüder auch bald ereilen mag – ist im Gemeindefaltblatt mit ihrer Website erwähnt. Dieses Faltblatt stellt Pfarrer Dr. phil. Volker Hildebrandt vor sowie zwei Subsidiare Msgr. Dr. jur. can Cesar Martinez sowie Prof. Dr. theol. Johannes Stöhr. Hildebrandt gibt als Schwerpunkte seiner Arbeit „junge Familien, geistliche Begleitung und Glaubensgespräche, Ehevorbereitungen, Kinder- und Jugendarbeit sowie Ökumene (im Kontext der Theophanu-Verehrung)“ an. Einen leichten Eindruck von Scientology gewann ich denn auch.

In der Kirche wusste ich vor lauter Reichtum nicht, wohin mich wenden. Hatte Aposteln und Lyskirchen aufsuchen wollen, um bessere Fotos zu machen, war aber rüstig ausschreitend dann zur elften von zwölf romanischen Kirchen gegangen, um meinen Vorsatz seiner Vollendung näher zu führen, und war insofern nicht gebrieft.

Der männliche Teil eines Paars las eine paraventmäßig aufgestellte Beschreibung der Kirche, wie es sie auch in St. Severin gibt, und schimpfte – glaube ich – laut auf sie. Seine andere Hälfte blieb stumm.

Ich wandte mich nach rechts und fand eine Madonna, Epitaphe an der Kirchenwand und nach einem Antonius einen Raum für Pantaleon:

Neben Pantaleon verbindet Theophanu hier die römisch-katholische mit der orthodoxen Kirche, von der sie sich, ich weiß gerade nicht warum, einst abgespalten hat. Bessere Chancen bestehen zur Zeit, dass eine Annäherung dieser beiden stattfindet als eine zur evangelischen Kirche, welche sich ganz weltlich empört der katholischen überlegen fühlt, aber kaum eine Chance hat, sich die andere Seite zum Lutherjubiläum 2017 einzuverleiben, eher umgekehrt, weil die Kirche einen langen Atem hat.

An der anderen Kirchenwand eine bunte Kreuzigung mit kleinem grauen Stifter vorn und Memento-Mori-Totenschädel.

Bruno fand ich nicht, aber gegenüber des Pantaleonraums ist eine stille Betstelle, die von einer Frau besetzt war, in der sich ein Bronzekopf befindet, welcher vielleicht Brunos sein mag. Oder er liegt in einer Krypta.

Rechts und links stehen Schreine von ALBANVS und MAVRINVS aufgestellt.

Finden tat ich aber Theophanu (10. Jh.):

Hinter ihr „Jesus, ich vertraue auf dich“ und links Rafael, rechts Gabriel.

Ihr Sarkophag ist beschriftet:

DOMINA THEOPHANU
* IMPERATRIX

UXOR ET MATER IMPERATORIS • QUAE
BASILICAM SANCTI PANTALEONIS

SUMMO HONORE COLUIT
ET REBUS PROPRIIS

MUNIFICENTER CUMULAVIT • HIC
SEPULCRUM SIBI CONSTITUI IUSSIT •

Dahinter ein orthodoxes Kultbild:

und auch dorthinter, welches ungefähr folgende Siglen zeigt:

In der gotischen Wand hält Veronika ihr Schweißtuch entfaltet:

An der Kassettendecke durch Dieter Hartmann 1993 hab ich Theophanu leider auf die Schnelle nicht finden können, schwankte und wankte, wie den Kopf zu drehen, und sah sie nicht, obwohl die Fächer neben der Informationsstellwand einzeln abgebildet und bezeichnet sind:

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