Immaculata

Jüngst nahm der Bonner Privatdozent Klaus Obenauer, der traditionellen Katholiken nahesteht, zum Vorwurf der Piusbruderschaft an den neuen Präfekten der Glaubenskongregation Gerhard Ludwig Müller, er lehre Häresien, Stellung. Der lange Artikel ist lesenswert. Es geht um Mariä erhaltene Jungfernschaft während der Geburt, also das Intaktbleiben ihres Jungfernhäutchens, obwohl der menschwerdende Gott durch es hindurch zur Welt kommt. Am überzeugendsten scheint Obenauer der Gedanke an eine „wunderbare Simultani­tät zweier Körper am sel­ben Ort“.

Caesarius von Heisterbach nennt Maria, deren Erscheinen in Clairvaux ihm berichtet wird, „beata Dei genitrix virgo“, selige Jungfrau und Gottesgebärerin. Vielleicht deutet die Wortstellung darauf hin, dass für Caesarius ihre Jungfernschaft auch nach dem Gottgebären noch besteht.

Bei der virginitas in partu geht es um das Gebären eines Gottessohns, der nicht von einem menschlichen Mann befruchtet, doch von einer menschlichen Frau ausgetragen wird. Musste er dann nicht von ihr den Makel des Sündenfalls erben? Nicht, wenn der von ihrer Person bereits weggewischt worden ist. Weil in der Bibel an verschiedenen Stellen steht, dass Maria ohne Sünde gewesen, stellt sich das Problem, wo die Kette zu unterbrechen.

Nach Augustinus ist jeder natürlich gezeugte Mensch unrein, weil seine Zeugung mit Wollust verbunden. Jesus ist davon ausgenommen, weil nicht menschlich gezeugt. Maria nicht, also muss ihr Makel abgewaschen werden.

In seinem 174. Brief an die Chorherren von Lyon spricht sich Bernhard von Clairvaux (links) gegen eine Feier von Mariä Empfängnis aus. Dann könne man auch Annas (Marias Mutter) Empfängnis feiern, Joachim (Marias Vater) seine, und so weiter die ganze Ahnenreihe hinauf. Bernhard ist der Meinung, Mariä Erbsündebefreiung sei nach der Empfängnis, aber vor der Geburt geschehen.

Albertus Magnus rekurriert auf Bernhard:

Dicimus, quod Beata Virgo non fuit sanctificata ante animationem: et qui dicunt oppositum, est haeresis condemnata a Beato Bernardo in epistola ad Lugdunenses, et a Magistris omnibus Parisiensibus.

Sie sei nicht vor der Belebung geheiligt worden. Diese aristotelische Animation des Embryos geschieht im männlichen Fall 40, in weiblicher Fassung 90 Tage nach Empfängnis.

Thomas von Aquin, der in der Stolkgasse bei Albertus Magnus studiert hat, sagt:

Die heilige Jungfrau infizierte sich in der Tat mit der Erbsünde, aber sie wurde von ihr vor ihrer Geburt gereinigt.

Duns Scotus unterstützte das und meint auf die Frage nach dem Hergang lapidar: „Es ziemte sich, er konnte es, er machte es.“

(Hauptquelle).

Bernhard von Clairvaux 1090 – 1153
Caesarius von Heisterbach 1180 – 1240
Albertus Magnus 1200 – 1280
Thomas von Aquin 1225 – 1274
Johannes Duns Scotus 1266 – 1308

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