Kryptische zehn Gebote

Im Museum Schnütgen hängt ein Zehngebotefenster aus einer Bopparder Karmeliterkirche. Interessant daran finde ich weniger die Inszenesetzung der einzelnen Gebote (so wird für jedes Gebot links seine Missachtung, rechts seine Befolgung illustriert), sondern die schriftlichen Gebote selbst:

Es handelt sich um zwanzig nicht entzifferbare Buchstaben, vielleicht Fantasie-. Ist es Zufall, dass es ausgerechnet doppelt so viele wie die Zahl der Gebote sind? Man könnte versucht sein, je zwei als Verschriftlichung eines Gebots aufzufassen.

Aber nach Absprache mit Kollegen empfinde ich das nun als zu verschwörungslastig. Vermutlich sollte lediglich ein Text in unbekannter Schrift visualisiert werden und der Faktor 2 ist rein zufällig. Die entgegenkommende Museumswärterin meinte auch, danach hätte noch keiner gefragt und die Tafeln wären ihrer Meinung nach einfach mit etwas Schriftähnlichem gefüllt worden. Ich war auf sie zu getreten, um zu erfahren, ob mehr über das Fenster an einem der POI-Kioske zu erfahren wäre. War aber nicht.

01 02 | 11 12
03 04 | 13 14
05 06 | 15 16
07 08 | 17 18
09 10 | 19 20

Die Buchstaben 01, 04, 05, 10 und 20 ähneln einander sehr bis weniger sehr und sehen aus wie ein kleines k.

Das einzige Eingehen auf die Zeichen hab ich bislang hier gefunden:

In der ersten Szene nimmt Moses kniend mit ausgestreckten Händen von Gott die mit zahl- bzw. buchstabenartigen Zeichen versehenen Gesetzestafeln entgegen, kommentiert wird der Vorgang durch ein von Gott ausgehendes Spruchband mit der Inschrift (C).

Diese lautet: mouſis enpfing die zehen gebot vō got.

Der Anthroposoph äußert sich (ohne das Bild gesehen zu haben), dass die Gebote Moses in einer uns unbekannten Schrift, in einer Art Merkzeichen vielleicht, gegeben worden seien. Als ich meinte, dass ich vom vorigen Besuch her falsch Hebräisch in der Erinnerung gehabt hatte, verneinte er entschieden und schüttelte den Kopf. Als ich Hieroglyphen, wie sie sich Glaskünstler im 15. Jahrhundert vielleicht vorstellten, vorstellte, bejahte er das zögerlich. Sprach von bis heute unentzifferten Hieroglyphen in einer Wüstenstadt, auf deren Namen er nicht kam. Soweit reichte mein Allgemeinwissen nun nicht. Vermutlich meinte er Urartäisch.

Die Schedelsche Weltchronik versteh ich auch nicht:

Warum Moses Hörner trägt, ist mir auch nicht klar. Beim Zehngebotefenster beschreibt Oidtmann ihn:

Moses, mit gelben Hörnern, in weißem Rock und rotem Mantel, empfängt die Gesetzestafeln aus der Hand des Herrn, der, in rotem, gelb bekreuztem Nimbus, über lichtblauen Wolken erscheint, bekleidet mit braunvioletter Toga und blauer Tunika;

Selbst hätte ich es wohl eher so visualisiert:

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