mOCUMENTA (13½)

Gleich fanden Satiriker einen Angriffspunkt gegen unser Projekt. Sie schoben ein e von hinterm n vors n und klebten einen Schuh hintern Schriftzug. Nojo. Macht ein besseres Logo, logo:

Ceci n’est pas le rien

Adamant kommunizierte mit dem Künstler Gaumfrauninov. Sergej berichtete ihm von seinen Gewissensnöten ob des bestimmten Artikels. Lieber hätte er ihn ausgelassen und hatte das der Kuratorin Blablajew auch kommuniziert, aber da sei es bereits zu spät gewesen, der Katalog schon in Fahnenkorrektur. Gaumfrauninov irritiert, dass das „das“ vorm Nichts ihn in die Nähe Sartres rücken würde, zumindest in den Augen der Banausigeren der Kunstbeflissenen. Lieber hätte er sich durch Auslassung des bestimmten Artikels definitiv von Sartre abgesetzt. Aber wohin? fragte Adamant. Ins … Nichts? Sergej zögerlich.

Ottomotor

Über die Maoam-Aufkleber auf dem Denkmal verwundert sich fast ein jeder.

Ein deutscher Automobilexperte spekulierte, dass deutsche Automobilexporte zäh wie Kaugummi sich auf dem Weltmarkt behaupten würden.

Adamant aber mailte kurzerhand Blablajew an und erfuhr, dass allein die Palindromatik das Verbindungsglied sein sollte.

Schuhabdruck

Der Abdruck im Staub ist, war beschildert: „Usain Bolt – go for gold“. Zunächst. War. Denn vor sieben Tagen stand da plötzlich „Neil Armstrong – how won, so gone“. Adamant meint, er könne die Nationalität des Künstlers erraten.

Witterwand

Charlie fragte mich heimtückischer Miene nach meiner Meinung. Ich versuchte zugleich seine Falle herauszufinden wie eine Meinung abzusondern. Das zweite gelang mir insofern, als ich auf Versperrungen zielte, in ihrer materiellsten Form materiell unterschiedlichster Materialien. So können Mauersteine uns trennen, kam ich in Schwung, als auch Holzlatten, hübsch geflochten wie ebd.. Ich fühlte, er wollte mich mit dem Sims locken und erwiderte ungefragt: Ein Sims ist ein Halt, will man überwinden. Wir können uns über die dicke, steinerne Mauer hinwegsetzen, uns auf dem Sims ausruhen und dann das dünnere Holzgeflecht vornehmen. Charlie fragte: Wer wohnt denn dahinter? Ich: Reiche. Er: Warum dann? Ich schulterhängend: Pipi Langstrumpf.

Er: Was denkst Du, wie der Künstler die Mauer zwölf Wochen nach der Eröffnung so verwittert hingekriegt hat? Ich: Er hat sie vorher aufgebaut? Er: Ich denke, das war nicht erlaubt. Ich: Wie dann? Er: Er hat sie in seinem Ateliergarten verwittern lassen. Ich: Natürlich? Er: Natürlich. Ich: Und dann? Er: Und dann hat er sie nach Köln _transferiert_. Ich: Er hat sie umgesetzt? Er: Ums Gesetz auszuhebeln.

Ich grübelte, was der Aufwand einer vorläufigen Verwitterung für eine kurzfristige Ausstellung wert sei. Kann man das zeitlich rechnen? Wie will man den gewünschten Verwitterungszustand festhalten? Wittert es nicht weiter? Es ist ein Kunstwörk in Progress, kam ich zum Schluss und fühlte mich international, unfestgelegt und finanziell floatend.

Charlie: Bedenke nun, was heuer wittert in seinem Garten und uns erst in nächster Zukunft als Kunstwerk erscheinen mag.

Mich schauderte.

Arm – mittel – reich

Außerhalb von Köln hat Richard Gerter sein Kunstwerk installiert. Ein Triptychon namens „Arm – mittel – reich“ lässt er auf einer Verkehrsleitbrücke der B 59 bei Pulheim vor der Kreuzung L 183 aufleuchten. Er habe 64 Arme, Mittlere und Reiche nach ihrer Lieblingsfarbe gefragt. Oder besser gesagt, sie diese aus acht vorgegebenen Farben aussuchen lassen. Die Installation zeigt nun die gewählten Farben, links die der Armen, in der Mitte die der Mittleren und rechts die der Reichen.

Die Kriterien der Kasteneinteilung wollte Blablajew Adamant nicht mitteilen. Adamant aber fiel viel bei der Analyse auf, so zum Beispiel, dass der Mittelwert der von den Armen gewählten Farbe näher am Rand von Runges Farbenkugel liegt als der der anderen Kasten. Was er als Randständigkeit in Bezug auf die Gesellschaft deutet.

Conclusio

Adamant fand noch ein Geheimnis. Verächtlich schaute er auf uns Mathebanausen herab und wollte nicht heraus damit. Doch als ich, als er auswärts chillen war, in seinem Terminkalender blätterte, fand ich einen Eintrag für den 11. November um halb elf: „Losfahren“.

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