Asymptotisch

In Ricarda Huchs voluminösem Dreißigjährigen Krieg, erschienen 1958 im Insel=Verlag Zweigstelle Wiesbaden:

und gewidmet:

– Lese ich das o richtig als Herz? Und steht vorm Heinrich ein n. für „nach“ oder ein u. für „und“?? –

bin ich auf Seite 913. Zu rechnen begonnen hab ich, als ich nahe dreiviertel durch war. Huchs eigene Einteilung in drei Teile ist zu grobgranular, um motivierende Fortschritte fix zu machen.

Der Vorteil, wenn man sagt, ich hab noch 1/n des Buchs zu lesen, oder wahlweise, liebt man halb volle Gläser über halb leere, ich habe bereits (n-1)/n gelesen, liegt darin, dass die Erfolgsmeldungen immer schneller aufeinander folgen, oder anders gesagt, dass der nächste Erfolg immer rascher zu erzielen ist.

Der Nachteil besteht darin, dass n bis in die Unendlichkeit sich strecken muss, bis man das Ende des Buchs erreicht. Es ist wie Endes Scheinriese Herr Tur Tur (den ich als Kind mit Purpur verbunden hab und gern Turtur geschrieben hätt, der Wiederholung wegen, die in einer von Jochen Reineckes Rätselfragen im FAZ-Herbsträtsel eine Rolle gespielt hat), die Perspektive drängt sich vor die Realität. Und der Verwaltungsaufwand schießt enorm, wenn auch zunächst exponentiell, in die Höhe.

Auf Seite 802 hatte ich 3/4 erreicht. Auf Seite 855 4/5 und auf Seite 890 5/6. Auf Seite 913 stehe ich nun 2 Seiten vor 6/7. Die nächste Etappe wäre bei Seite 934 erreicht, dann bla bla bla, und auf Seite 1001 15/16.

Die Hälfte zu bewältigen, nimmt 531 Seiten in Anspruch, ein Drittel 354, ein Sechstel 177 und ein Neuntel 118. 59 Seiten bilden ein Achtzehntel und 18 1/59.

Eine einseitige Etappe müsste ich erreicht haben, wenn noch 1/1062 des Werks vor mir liegen. Doch es lässt sich feiner granulieren. Der enge Satzspiegel weist 39 Zeilen à 60 Buchstaben auf, an einer mittel erscheinenden Zeile ausgezählt. Hat ein deutsches Wort im Schnitt fünf Buchstaben (von mir getippt, kA), wiese eine Seite 39*60/5 = 39*12 = 390 + 78 = 468 Wörter auf, so Huch wenig Absätze und schusswechselartige Dialoge, wie der Fall, eingerückt hätte.

Wir können die Granulierung also auf Wörter bringen und das Werk umfasst 1062*468 ~= 500.000 davon. Ein Wort vor dem Ende hätten wir 499.999/500.000 = 99,9998 % erreicht. Es auf Buchstaben herunterzubrechen – kleiner geht wohl nicht – macht wohl keinen Sinn. Denn es heißt, ein geübter Leser nimmt Wörter als Ganzes wahr. Bei einem Analphabeten mag die Entzifferung jedes Buchstabens im Vordergrund stehen. Bei uns, die mir bis hier folgen wollten, ist kaum auszumachen, wie schnell geschriebene Wörter verstanden werden und welche Bewegung der Augapfel vollführt, vom verstehenden Gehirn sogleich weiterbewegt, um mehr Input à la Nummer 5 zu gewinnen.

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