Der Streckbus

Die Zeit berichtet über die chinesische Künstlerin Yin Xiuzhen (尹秀珍, *1963, in Berlin vertreten durch Alexander Ochs) und führt ihr Werk Collective Subconscious auf. Hey, das ist ganz der S_t_r_e_c_k_b_u_s von Professor Maus!

Die Geschichte ist eine von 30 im Buch 小小童话 (Kleine Fabeln, oder Fabeln für die Kleinen, ISBN 7-5048-2845-9) von Chang Rui (常瑞). Professor Maus tritt darin als Erfinder vieler nützlicher Dinge auf. Auf der Nase trägt eine Brille.

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Der Streckbus

Morgens wimmelte die Bushaltestelle zum Hundert-Blumen-Berg von großen und kleinen Tieren. Sie alle wollten einen Ausflug zum Hundert-Blumen-Berg machen. Aber es waren zu wenig Busse da. Wenn einer kam, war er gleich überfüllt, und der nächste ebenso. Nicht nur waren es zu viele Tiere, sondern speziell das hohe Fräulein Giraffe und der dicke Onkel Flusspferd kamen mit ihren Körpern mit aller Kraft nicht in die kleine, enge Bustür hinein.

Da kam Professor Maus mit einem Bus vorgefahren.

„Hey, steigt in meinen Bus, ich fahr euch hin.“, rief Professor Maus.

„Dein Bus ist zu klein, es funktioniert nicht.“

„Kommt, es ist kein Problem! Es ist ein elastischer Bus, er kann größer und kleiner werden. Fräulein Giraffe und Onkel Flusspferd zuerst!“

Die Giraffe kam halb glaubend, halb zweifelnd an und wollte gerade den Kopf senken und einsteigen, da drückte Professor Maus auf die Hupe und sofort wurde der Bus dünner und höher. Fräulein Giraffe konnte ohne den Kopf zu senken einsteigen. Im Bereich, wo sie im Bus hinging, beulte sich sofort das Dach ein Stückchen aus, so dass der Kopf der Giraffe ausgestreckt so eben hineinpasste.

Der nächste war Onkel Flusspferd. Professor Maus drückte wieder die Hupe und die Bustür wurde niedriger und breiter und Onkel Flusspferd stieg stampfenden Schrittes in den Bus. Der Bus wurde sofort ein Stückchen breiter, gerade richtig für den dicken Bauch von Onkel Flusspferd.

Die übrigen Tiere bestiegen nacheinander den Bus und egal wie groß oder klein, dick oder dünn, alle hatten sie angenehm Platz.

Über hundert Tiere hatten so den Bus bestiegen, als Professor Maus „di-di“ pfiff und der Streckbus sich in Bewegung setzte.

Aber auf der Straße gab es zu viele Autos, je weiter sie kamen, desto voller wurde es.

„Nicht weiterfahren, vorne ist Stau!“ rief wer aus einem entgegenkommenden Auto ihnen zu.

Professor Maus hörte nicht drauf. Nicht nur hielt er nicht an, sondern er fuhr sogar schneller.

„Uh, uh“ riefen die Tiere im Fahrgastraum ängstlich, die kommen sahen, dass Professor Maus‘ Bus mit den Autos vorn zusammenstoßen würde. Professor Maus drückte wieder auf die Hupe und die Front des Busses verwandelte sich sofort in eine Öffnung wie ein großer Mund. Der „fraß“ das Auto vor ihm in seinen Bauch hinein und zugleich streckte der Fahrgastraum sich ein Stück.

Der Bus von Professor Maus flog nur so dahin, sein „großes Maul“ schluckte wie ein großer Fisch kleinere und aß Auto um Auto und der Fahrgastraum streckte sich Stück um Stück.

Nach einer Weile stauten sich vor Professor Maus‘ Bus über hundert kleine und große Autos, alle wurden vom Streckbus geschluckt und Professor Maus‘ Bus hatte sich in einen langen, langen Autobus verwandelt.

Auf der Straße war nun nur Professor Maus‘ Bus übrig geblieben. Wie eine lange Schlange wand er sich den Berg hinauf und wie ein buntes Band flatterte er an der Bergflanke. Nach einer Weile war die Spitze des Hundert-Blumen-Berges erreicht.

Ein paar tausend Tiere verließen zuerst ihre eigenen kleinen Autos, stiegen dann aus Professor Maus‘ Streckbus und alle sagten: „Ein wirklich schöner Ausflug ist das heute!“

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