Lassie Singers

Eine Woche vor Weltuntergang möchten wir kurz aufglühend-verglühend noch kluge Texte schreiben. Und lesen.

Bei den Lassie Singers hab ich immerzu das blöde Mem im Kopf, dass ich sie zu kennen meine. Bilder bestätigen es zwar nicht, aber in meinem Strohbehälter hat sich festgesetzt, dass die dreiköpfige Mädchenband aus Monheim am Rhein, ich sag nur Sojus 7, sich als Lassie Singers entpuppt hätte.

Eine hatte ich besonders im Auge. Sie hatte eine tiefe Stimme, sang etwas schief und ihren Namen habe ich vergessen, Franziska? Sie trug eine damals ungewöhnliche, später vielleicht übliche, also avantgardistische Mittellanghaarfrisur, hatte braune Haare, die sich leicht lockten, aber doch eher kürzer waren als das Schönheitsideal damals. Ihr Vorname war auch speziell, vielleicht hatte sie sogar einen Adelstitel. Ein Hauch von Berlin in der Tristesse der Provinz.

Saß mal im besagten Laden mit ihr am Tisch, wusste nicht, wie ihr imponieren und mir fiel nur ein, ihr Tarotkarten (die ich anscheinend gerade in der Tasche hatte) zu legen. Das fand sie einigermaßen interessant, aber ihr doch ziemlich durchgängig spöttisches Lächeln zog mich runter. So wurde nichts draus. Außerdem gab es einen blonden, recht wilden Carsten?, der gut ankam bei den Damen. Glaube speziell bei ihr, meine, mal in einem Raum übernachtet zu haben, wo die zwei ein Paar waren.

Sie haben sicher Songs ähnlich wie die Lassie Singers gesungen. Aber es gab ja viele, die das damals machten. Ideal war nicht mehr so angesagt, die hübsche Lyrics wie „Monotonie im Alltag“ hatten, gefundenes Fressen für Kunststudenten in Düsseldorf. Dort war der Ratinger Hof mit seinem Punk fast schon abgesagt. Hochgeistige und hochgewachsene Intellektuelle – seinen Namen vergessen, Dirk? – strömten in die Kunsthochschulen und wurden Werber. Eine Reiche, leicht Verpickelte aus diesem Kreis besuchte ich mal in ihrer neuen Düsseldorfer Wohnung. Auch eine verpasste Gelegenheit. Komisch, dass damals Düsseldorf das Zentrum war, und heute gar nicht mehr, Kölle Alaaf!

Erinnere mich an S-Bahn-Fahrten samstags, um in der Stadtbücherei dort Bücher zu wälzen. Besichtigte das japanische Zentrum und kaufte die Reise ins Hinterland dort. War mal in Oberkassel, dem anderen Ufer, aber war nicht so dolle. Gute Bücher kauften wir damals im Stern-Verlag, so Erich Haenisch‘ Lehrgang der klassischen chinesischen Schriftsprache, ein DDR-Buch. Der Weg vom Bahnhof dorthin vorbei an höchsten Versicherungsbauten war nicht so prickelnd. Dann gab’s noch den Ming-Fan-Kulturladen, wo man chinesische Bücher aus erster Hand, der einer Taiwanesin, kaufen konnte. Da stöberte ich natürlich supergerne, blickte ins Medizinbuch des Gelben Kaisers, ohne es zu erwerben, fand aber auch die Bibel dort und einen Harry-Potter-Roman. Sogar von Köln aus bin ich nochmal nach Düsseldorf deswegen gefahren, weil ich hier keinen solchen Laden kenne.

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