Platzhalterquiz

Finden Sie die vier Platzhalter, die zu meinem Bedauern stehengeblieben sind. Ihre Anfangsbuchstaben ergeben das Lösungswort.

Lange Zeit bin ich früh schlafen gegangen. Meistens fielen mir die Augen, sobald ich das Licht ausgemacht hatte, sogleich zu und ich kam gar nicht mehr dazu, mich zu fragen, ob es mir möglich sein werde, in den Schlaf zu finden. Eine halbe Stunde später suchte meine Hand das Buch, das ich noch auf der Matratze liegen wähnte, und erschreckt, dass meine Hand es nicht fand, wachte ich auf. Das Gelesene hatte mich im Schlaf weiterbeschäftigt, mein Gehirn hatte die Handlung weitergesponnen und als ihm die Nahrung ausgegangen war, verlangte es nach Nachschub und ich erwachte. Ich war so versunken in den Inhalt, sei es das Drama um die Elbphilharmonie, den flugunfähigen Berliner Flughafen oder die Rivalität zwischen Angela Merkel und Hannelore Kraft, dass ich nach dem Erwachen nicht gleich in meine Person zurückfand. Wie ein Sog hielt mich das spannende Geschehen im Bann, ich wollte zwar Nachschub, aber doch nicht um den Preis, mich vom Inhalt zu lösen und vorübergehend in meine Person zurückzuschlüpfen, die ich nach dem Lesen weiterer Seiten doch sogleich schnell wieder verlassen wollte. Ein Flugzeug zog seine Schneise am nächtlichen Himmel, ja, es gab noch eine Realität außerhalb der Bücher. Dieser sanfte Andrang der Wirklichkeit zog mich nun langsam, aber beharrlich aus meinen Träumen. Ich strich ein Zündholz an und schaute auf die Uhr. Noch keine Mitternacht. Es ist die Zeit, da der Außendienstler, der einsam in seinem Hotelzimmer die Zeit schneller vergehen wünscht, einen Lichtschimmer hinter den Vorhängen sieht. Endlich, der Morgen, denkt er. Gleich wird ein leckeres Frühstück und dampfender Kaffee mein nächtliches Leiden beenden und ein neuer Tag voller Ablenkungen reißt mich aus meinen trüben Gedanken. Doch ebenso plötzlich verschwindet das Licht wieder. Es ist Mitternacht. Nur der Scheinwerfer eines späten Taxis hat die Falten des schweren, vergilbten Vorhangstoffs gestreift, und die lange Nacht liegt wie ein schwer zu erklimmender Berg nach wie vor vor dem Außendienstler. Der Schläfer versinkt in weiten Kreisen aus Erinnerungen, Assoziationen und Gedankenketten. Sein Ich löst sich auf, seine Person versinkt, nur sein Gehirn bleibt und arbeitet weiter. Alles verarbeitet es und kommt dabei vom Hölzchen aufs Stöckchen, wie Françoise sagen würde. Es vermischt die letzte Urlaubsreise mit Gelesenem, Gehörtem und Gesendetem. Verloren in diesen Fetzen hat sich die Person des Schläfers und hat sich aufgelöst im Meer unter ihnen. Beim Erwachen orientiert er sich dann nach dem Gefühl an ihnen, er liest in einer Sekunde daraus ab, an welchem Punkt der Erde er sich befindet, wieviel Zeit bis zu seinem Wachsein verflossen ist. So kehrte mein Bewusstsein zurück, ich wusste, ich lag in der Suite des Maritim, Mama hatte Karten für die Philharmonie, es war der 28. Dezember 2012 und wir würden heute abend Andreas Boyde mit den Dresdner Kapellsolisten Mozart spielen hören.

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