Arenfels

In 6 Kirchen geschaut: Peter und Paul in Bad Hönningen, Ariendorfer Kapelle, Walburgis in Leubsdorf, Heilige Schutzengel in Dattenberg, Donatuskapelle und Martin in Linz. Eigentliches Ziel aber war Schloss Arenfels gewesen, Nebenziele Peter und Paul und Burg Ariendorf.

Um acht Uhr los. Am Flughafen stiegen die meisten Fahrgäste aus. Arenfels habe den Spitznamen „Schloss des Jahres“, weil es 365 Fenster, 52 Türen und 12 Türme habe. Kommt mir viel und unwahrscheinlich vor. Wenn es Absicht war, ok, zufällig kann es sich kaum ergeben haben. Man müsste für alle drei Objekte eine asymmetrische Wahrscheinlichkeitsverteilung modellieren mit Mittelwert und Spreizung, also sechs Parameter postulieren. Zu schwer, will nur grob abschätzen. Und zwar, dass die Wahrscheinlichkeit, zufällig alle drei Zahlen zu erfüllen, ungefähr 1 % * 2 % * 10 % = 0,002 % betragen dürfte. Die Weinlage „Hönninger Schlossberg“ soll 9 Hektar haben, das wären 300 * 300 Meter. In Linz blühte am Bahnhof ein Baum.

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Peter und Paul sieht als Barockkirche von außen vielversprechend aus, kann es im Innern aber nicht halten.

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Gerade, als ich eine offene Tür suchte, kam ein Küster und schloss eine auf. Er sprach leicht, als sei er russischstämmig. Gut, dass ich nicht eine Stunde früher gefahren bin, wie eigentlich vorgehabt, aber wegen schlechten Einschlafens verschoben hatte. Drinnen eine Landschaftskrippe aufgebaut mit Stern über Palmen:

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Barocker Altar mit Peter und Paul. Ein Sebastian. Ein Rochus mit einem kleinen Mann an seinem Oberschenkel. Eine Heilige tritt auf eine Mondsichel. Eine Heilige mit einer realistischen Kneifzange in der Hand. Eine Büste von Adolph Kolping. Eine Seitenkapelle für Orthodoxe? Ein Gemälde dort zeigt einen Jesus mit flammendem, rosenumgürteten Herzen in der Brust. Gegenüber dem Altar hinter Teelichtern Gefallenennamen mit „Heiligste Mutter Gottes“, wenn ich mich recht erinnere. Ein Schiffspatron, vielleicht der Nikolaus:

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Hochwasser im Bad Hönningen:

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Aufstieg zum Schloss Arenfels:

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Die Weinberggröße erscheint mir plausibel. Erst gescheut, aber dann beginnend mit der Westseite die Fenster doch gezählt. Zählt man so was:

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als vier Fenster, zählte ich 74 an der West-, 77 an der Nord-, 115 an der Ost- und 98 an der Südseite, macht zusammen 364, erstaunlich. Türen nicht gezählt und an Türmen keine zwölf gesehen. Vielleicht entsprang die Idee zur Zahlenspielerei den Fenstern.

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Bogen von Johann Carl Caspar von der Leyen 1676 errichtet:

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Ein Epitaph für Johann Sigismund Quadt von Buschfeld hat ein Chronogramm: „DespICIens CoeLVM“, MDCCLVII = 1757.

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Er hat sich einen Spaß erlaubt😦

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Der Rheinsteig wie eine Allee von Bäumen gefasst. Diese und der Waldboden von Efeu bewuchert. Auf dem Weg nordwärts zwei religiöse Ermahnungen: „Wanderer, vergiß den nicht, der dir all dies schuf“, und: „Halt an, o Wanderer, wo gehst du hin? Bedenk, dass ich deine Mutter bin.“:

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Ein Mann kam mir entgegen mit zwei Pudeln. Guckte mich eine Spur überrascht an, weil ich mit offener Jacke spazierte. In Ariendorf verloren die Familien Arzdorf, Engels, Hoppen, Morgenstern, Müller, Noll, Scheid und Siebertz sowohl im ersten wie im zweiten Weltkrieg Männer. Das Kriegerehrenmal zitiert Johannes 15,13: „Niemand hat eine größere Liebe als wer sein Leben hingibt für seine Brüder.“ Gezeichnet: „Die dankbare Gemeinde“.

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In der Ariendorfer Kapelle sind die Sockel von Lukas und Johannes leer, einer für Matthäus fehlt – an seiner Stelle hängt ein Ölgemälde mit Krippenszene, ein Geschenk von Ludwig von Lorch 1825 – und auf dem von Markus steht eine Figur, die eher ein Florian sein wird: Sie kippt einen Eimer Wasser auf ein kleines, brennendes Haus.

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Platz ist für 36 bis 47 sitzende Personen. Diese Kapelle die einzige der sechs besichtigten Kirchen ohne Krippe.

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Den Aufstieg zum Rheinsteig verpasst und deshalb nach Leubsdorf die Bahnlinie entlang gegangen. Erst kam mir eine wandernde Rentnergruppe entgegen, die mich sicher machte, dass der Weg nicht endet. Eine kleine Ley hinter Tannen. Dann ein Hundehalter, der mich ansprach: „Die will bloß ihr Brot. Die ist so verfressen.“ Ich hmmte Verständnis. Ist Rheinland-Pfalz und der Mann sprach ein bisschen wie Kurt Beck. Dann dachte ich, wie unverschämt ist das denn? Mein Butterbrot so dreist schon verbal seinem Hundchen zu übereignen. Ach so, „Ihr Brot“.

In Leubsdorf zwanzig Minuten Zeit, bis der Zug kommt. Kann ich noch die Kirche aufsuchen. Ein Jesus mit viel Haar von 1692, um ihn am Kreuz zu befestigen:

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Walburgis, auch „die weiße Kirche am Rhein“ genannt. Am Pfarrhaus eine Jesusstatue mit Lamm über den Schultern. In der Kirche viele Walburgafiguren mit dem charakteristischen Nonnenschleier. Die Krippe war vielleicht die prächtigste von den fünfen.

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Die Leubsdorfer nennen sich selbst Hinterwäldler: „Gewidmet von den Waldbewohnern der Pfarre Leubsdorf“.

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Weil ich zur Kirche schon ein Stück emporgestiegen war, ging ich nun weiter rauf, statt zum Bahnhof runter. Würde von Linz aus heimfahren. Am Hang entlang führt der Rheinsteig nach Dattenberg, das nicht am Ufer, sondern tief in einem Bachtal liegt. In der Kirche Zu den Schutzheiligen ein Heiliger mit den Attributen Schwein und T-Stab mit zwei Glöckchen. Im Tal zwischen den beiden Siedlungskernen ein Antoniusbrunnen. Dort dieselben Attribute, geschnitzt 1978 von Karl Siebertz, Dattenberger Missionar in Uganda.

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Von Burg Dattenberg ein schöner Ausblick ins Ahrtal hinein. Ihre Mündung weit überschwemmt.

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Mit welchem Aufwand sie in Dattenberg und später Linz Fußballfelder geebnet haben. Nun geht es noch tiefer ins Land hinein. Durch schönen Buchenwald mit großer Schräglage. Immer hinab und landeinwärts, um endlich den Bach zu kreuzen und wieder hinauf und zum Strom. Nein, doch nicht, sondern der Rheinsteig führt durch großen Matsch hinauf zum Kaiserberg. Ein Mann mit zwei größeren, schlanken Hunden ließ mich vorbeischlittern. Auf dem Kaiserberg rastete ein junges Pärchen, erschöpft und sprachlos vom Wandern. Schöner Blick über den Strom. Im Norden die Erpeler Ley und die beiden Köpfe der Brücke von Remagen. Außerdem die weiße Kugel vom Fraunhofer-TIRA. Hinter Sinzig die höheren Berge der Eifel zu sehen.

Der Abstieg nach Linz führt an der Donatuskapelle vorbei. Leer, aber als ich sie verließ, kam gerade ein Paar hinauf, das mich anschaute, später blickte ich mich um, ach so, weil sie auch in die Kapelle wollten und mich rausgehen gesehen hatten. Vor Martin ein Kulturkampfkreuz: „+ / RESURRECTURIS / ERECTA / 1884“. Frontal: „AVE CRUX / SPES UNICA“. Zwei Säulen erinnern an einen Gymnasiallehrer Josef Kall sowie einen Professor und Director des Gymnasiums, Name nicht lesbar. Eine Tafel in der Kirchenwand Felicitas Eugenia Francisca Kugelgen, geborene von Uphof, Hofkammerrätin und Kellnerin in Linz, gestorben 1817, „der Besten der Mütter gewidmet von ihrem Schwiegersohn Godfrid von Dackweiler. Ruhe ihrer Asche.“

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In St. Martin in Öl verewigt eine mir unbekannte Heilige: Thekla. Ebendort eine Nikolausfigur aus dem 15. Jahrhundert. Die Tonkrippe hat ein Johannesmissionar aus Leutesdorf geschaffen: Br. Matth. Pauly. An den Mauern Seccos, deren Alter zweifelhaft erscheinen. Auf einem zerbricht Samson die Säulen.

An der Linzer Mariensäule noch ein Chronogramm: saLVe / sanCta MarIa / DeI genItrIX VIrgo / regIna CoeLI gLorIosa, LVCMIDIIIXVIICLILI = MDCCLLLXVVIIIIIIII = 1878.

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Eine Bahnunterführung überflutet. Kein Auto traute sich da rein, während drei Jungs gafften. Zwei Stunden später als in Leubsdorf vorgehabt den Zug gekriegt. Kein Warten, auch beim Umsteigen in Deutz nicht. Mit dem Sonnenuntergang daheim gewesen. Geregnet hat es gar nicht, aber matschig war’s.

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