Han Shaogongs neuer Roman

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Von Han Shaogong (韩少功) hab ich das Wörterbuch von Maqiao (马桥词典) da. Er erzählt vom Dorf Maqiao (马桥, „Pferdebrücke“), in das er zur Zeit der Kulturrevolution als gebildeter Jugendlicher geschickt worden ist. Der Diktator Mao wollte damit vielleicht die völlig außer Rand und Band geratenen Roten Garden, deren Fraktionen sich sogar mit Waffen bekämpften (Ye Fu zeigte ein Foto davon in der Akademie der Künste der Welt), aus den Städten kriegen. Offiziell hieß es, die tendenziell bürgerlichen Elemente sollten von den Bauern lernen.

Han schildert die Verhältnisse im Dorf, indem er Notizen über den lokalen Dialekt macht. Besondere Ausdrücke, die nur in Maqiao verstanden werden, nimmt er als Aufhänger, um daraus Schlüsse zu ziehen. Oder er erzählt Begebenheiten, um die Verwendung des Ausdrucks zu demonstrieren.

Vorgestern nun wurde ein neuer Roman von ihm angekündigt. Hier eine Übersetzung:

Han Shaogong bringt nach zehn Jahren wieder einen Roman heraus, Fokus auf dem Los der Generation gebildeter Jugend.

Die am 12. März erscheinende Ausgabe 2/2013 von „Ernte“ wird ein neues Werk von Han Shaogong bringen – das „Buch von Tag und Nacht“ (日夜书), zehn Jahre nach seinem vorigen Roman „Andeutungen“ (暗示). Gestern enthüllte Han Shaogong, dass das „Buch von Tag und Nacht“ ein Roman sei, der die Generation der gebildeten Jugend beschreibe, von ihrem Jahrzehnt bis heute, der Schwerpunkt aber auf dem heutigen Los dieser Generation liege. Ende März wird der Roman auch im Shanghaier Verlag für Literatur und Kunst (上海文艺出版社) erscheinen.

Beispielhafte Erinnerungen

Der Chefredakteur der „Ernte“ Cheng Yongxin verkündete gestern, das „Buch von Tag und Nacht“ habe über 200.000 Schriftzeichen und die neueste Ausgabe der „Ernte“ werde diesen Roman vollständig publizieren. „Der Roman eignet sich nicht dazu, in zwei Teile aufgespalten zu werden, deshalb wird diese ‚Ernte‘ wenig Kurzgeschichten daneben enthalten.“ Das „Buch von Tag und Nacht“ wurde schon im Juni letzten Jahres abgeschlossen, aber Han Shaogong hat ihn in diesem Zeitraum von mehr als einem halben Jahr immerfort überarbeitet. „Sieben, acht Mal hat er mir geschrieben und jedesmal lag eine überarbeitete Version bei. Han Shaogong meint es wirklich ernst mit diesem neuen Werk.“

In den vergangenen Jahren lebte Han Shaogong auf der Insel Hainan und hat keinen Roman mehr veröffentlicht. Er sagt: „Bei meiner Schreibgeschwindigkeit kann ich alle vier, fünf Jahre ein längeres Stück veröffentlichen. Mein letztes Werk waren 2006 die Essays ‚Berge im Süden, Wasser im Norden‘ (山南水北), davor 2002 der Roman ‚Andeutungen‘ (暗示).“

Im Januar ist Han Shaogong 60 Jahre alt geworden. Zu diesem runden Geburtstag bringt er nun dieses Werk, das einen bestimmten Erinnerungsfaktor hat und nimmt sich selbst im „Buch von Tag und Nacht“ als Muster einer ganzen Generation her. „Ich habe hier geschrieben als einer aller 60jährigen hier.“ „Die gebildete Jugend Chinas und die drei Jahrgänge, die am Studium gehindert wurden, werden jetzt alle 60 Jahre alt und viele gehen in Rente. Deshalb blicke ich mit diesem Roman zurück, und der Zeitpunkt ist genau richtig dafür.“

Es ist nicht nur ein Roman über die gebildete Jugend

Han Shaogong betont gegenüber dem Reporter, dass es nicht allein ein Roman über die gebildete Jugend sei, „der Hintergrund der Figuren im Roman ist die gebildete Jugend von damals, aber der Schwerpunkt des Erzählens liegt auf dem Heute. Der Roman handelt nicht nur von der gebildeten Jugend, sondern auch von gewöhnlichen Arbeitern, Selbstständigen und Beamten. Worüber ich schreibe, ist das heutige Erscheinungsbild der gebildeten Jugend von damals und ihr heutiges Los. Es ist das Los einer ganzen Generation.“

Viele Schriftsteller haben wiederholt über die gebildete Jugend geschrieben, aber Han Shaogong meint, „über die Generation der gebildeten Jugend wollte ich wirklichkeitsnäher schreiben. Was die Autoren zuvor geschrieben haben, ist zwar wahr. Ich aber schreibe auf einer anderen Ebene. Ich schreibe nur das, was ich selbst gesehen habe. Was ich zu sagen habe, habe ich geschrieben, ich werde nichts weiter dazu sagen.“

Cheng Yongxin sieht in diesem Roman die Gedankenwelt der gebildeten Jugend beschrieben. „Er schildert den Ursprung der komplizierten Denkstrukturen von heute“, sagt Cheng Yongxin, „der Roman heißt das Buch von Tag und Nacht, das passt gut zu seinem Inhalt. Es gibt Tag drin und Nacht drin, Pro und Contra.“

Der Redakteur der „Ernte“ Wang Biao fasst die Hauptcharaktere des Romans zusammen: Der große Jia, gebildete Jugend, dessen Kleidung sogar ‚öffentliches Gut‘ war, hat sich zum Hätschelkind der heutigen Kunstszene entwickelt. Der weise Ma Tao war Lehrer vieler gebildeter Jugendlicher. Er war talentiert, aber sein extremer Egoismus hat Familie und Freunden Unglück gebracht. Guo Youjun, der auf dem Dorf wie ein Fisch im Wasser schwamm, kommt in der Marktwirtschaft nicht zurecht. Seine Frau läuft davon und seine Tochter verspottet seine Unfähigkeit. Wang Biao sagt: „Das Leben jener gebildeten Jugend zieht sich mit Fleisch und Blut bis heute. Es ist Zeit, dass wir es reexaminieren.“

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