Bildungsbüdchen

Gestern im Kölner Stadt-Anzeiger Tobias Christ unter der Überschrift „Bonbons und ein bisschen Bildung“ über den Kiosk-Besitzer Levent Kavur und seinen Bildungsauftrag. Er hängt fast mannshohe Poster ins Büdchenfenster und fragt: „Wer ist diese Person?“ Nach Denis Diderot, den der 25-jährige Friseur Deniz Özek, im Foto blondiert Arm im Arm mit Kavur vor dem Diderot-Plakat, erkannt hat, hängt nun das zweite Plakat im Fenster. Die Zeitung bildete es ab, ich kann den Mann aber nicht erkennen.

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Christ beschreibt, dass sich das Ratespiel ausdrücklich an junge Leute zwischen 10 und 30 Jahren und aus dem Viertel richtet. Hätte ich ihn erkannt, könnte ich also gar nicht teilnehmen. Der Gewinn sei ein Kasten Getränke freier Wahl. Levent Kavur habe Mathe und Informatik bis zum Vordiplom studiert und sei dann in die linke Politik gegangen. Seit 1994 betreibt er das Büdchen und will Bildung in den sozialen Brennpunkt bringen.

Eine prima Idee. Es genügt nicht, die abgebildete Person zu erkennen, sondern man muss Kavur dann auch einen zweiminütigen Vortrag über sie halten. Der erste gewinnt.

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Das Büdchen befindet sich vom Humboldtpark aus jenseits der Gremberger Straße.

Das Poster ist ziemlich groß, schätze seine Höhe auf 1,50 Meter. A4 ist ca. 21 x 30 cm, dann A3 42 x 30, A2 42 x 60, A1 84 x 60 und A0 84 x 120 cm. Ich glaube, es könnte sogar A-1 = 168 x 120 sein, falls es das gibt. 2A0 heißt das.

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Doch, jetzt hab ich’s. Wie rausgefunden? Die Kapuze kommt mir wie von einer Möchskutte vor. Beim zornigen Blick denke ich an Savonarola. Der sah zwar anders aus, war aber Dominikaner. Vielleicht ein anderer Dominikaner? Bei Wikipedia nicht. Google-Bildersuche, ecce homo!


UPDATE 19.04.2013

Komme nicht automatisch auf dem Weg zur Arbeit dort vorbei, sondern muss einen kleinen Umweg nehmen, der mir morgens zu riskant ist, obwohl ich zehn bis fünfzehn Minuten Luft hätte. Besser nicht, sondern nach Feierabend erst eine schräge Straße zur Kirche Sankt Engelbert (nach keinem Humperdinck, sondern nem Erzbischof 1185 bis 1225) traben, dann befindet sich das Büdchen von der Bushalte An der Pulvermühle gut zu sehen nach Westen hin. Daher checke ich den Ort des Interesses nur alle ein, zwei Wochen.

Levent Kavur hängt die großformatigen Rätselplakate mit farbigen Rändern in seine Kioskscheibe. Der Diderot war rosa. Der Giordano Bruno grün. Die Zeitdilatation rot und nun die Statue gelb.

Der Diderot war schon im Stadt-Anzeiger aufgelöst worden. Der Giordano Bruno hing am 2. April nicht mehr dort, sondern diese Formelfrage:

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Am 12. April spätestens war sie gelöst:

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Am 16. April hängt diese Statuenfrage aus, die ich natürlich lösen konnte, da ich die Statue erkannte, aber den genauen Fehler dann doch noch mal nachschlagen musste:

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UPDATE 25.04.2013

Der Moses cornutus ist gelöst:

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Bin gespannt aufs nächste🙂


UPDATE 27.05.2013

Am 29. hing noch nichts Neues da. Am 3. Mai dann aber:

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Obwohl ich die Frage auch den Kolleg:inn:en vorlegte, kriegten wir’s nicht raus. Am 8. war’s noch nicht gelöst, auch am 17. und am 22. nicht. Heute am 27. hängt die Lösung aus:

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Daneben eine ausführliche Erläuterung, wie im Tripel-Allianz-Krieg (Paraguay gegen Brasilien, Argentinien und Uruguay) in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fast alle männlichen Paraguayer starben und Paraguay danach als „Land der Frauen“ bezeichnet wurde.


UPDATE 17.06.2013

Am 10. Juni ein neues Rätsel:

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Nach unserer Pleite mit Paraguay scheint auch das alles andere als einfach. Ok, die Männer sehen südeuropäisch aus, würde ich mal sagen. Das Foto stammt vielleicht aus den 30er Jahren. Vielleicht Libertäre, die gegen eine Obrigkeit kämpften. Suchte nach spanischen, italienischen, mexikanischen und rumänischen Anarchisten. Nicht ohne zu fürchten, dass die NSA mich auf den Kieker kriegt. Den Sprung über den Bosporus schaffte ich nicht. Der Rollkragenpulli des mittleren Jungen weist auf ein zumindest jahreszeitlich durchaus kaltes Klima hin.

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Zwei Tage später trafen wir uns am Reiterdenkmal auf dem Heumarkt. Auf dem großen Platz war eine Mahnwache aufgebaut und zwei Tote in der Türkei als Kreideumrisse aufs Pflaster gezeichnet. Ein Bund der alevitischen Jugendlichen in Deutschland e.V. protestierte gegen Erdoğan. Als ich zuhause bei ihnen nachsah, fand ich da das Kioskfoto, nur in Farbe. Zufälle gibt’s! Es sind Deniz Gezmiş, Hüseyin İnan und Yusuf Aslan (v.l.n.r.), Begründer einer türkischen RAF und 1972 in Ankara gehenkt, noch keine 26 Jahre alt. Die Betreuer des Standes waren ein gepflegt aussehender junger Mann mit Brille und gekürztem Bart, ein bulliger anderer und zwei Studentinnen. Die Polizei schaute auch mal vorbei.

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UPDATE 22.06.2013

Heute auf dem Heumarkt:

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3 Antworten to “Bildungsbüdchen”

  1. Irmgard Udink Says:

    Eine wunderbare Idee
    besser kann man Integration nicht leben
    schade das ich so weit weg wohne da würde ich auch gerne mal einkaufen und erzählen.

  2. sinaistarsDunja Says:

    Wunderbare Idee ! Hörte es grad in WDR5 und bin ganz begeistert von Levent. Ich lebe in Dortmund und auch hier ist eins der letzten guten Kulturlädchen mit Seele eine türkische Sache. Taranta Babu heisst der Bücherladen, der gleichzeitig auch Kulturcafe ist…schon seit 30 Jahren ! Bei Hassan las ich auch zum ersten Male auf dem WC „Männer setzt Euch !“ ….und das auch auf türkisch🙂 Danke für den Lichtblick, Levent !

  3. Sunufatarungo Says:

    Hab heute im WDR 5 davon gehört und bin ebenfalls begeistert von der Idee. Tolle Sache, weiter so!

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