Taubenbrunnen

Im Frühjahr soll auf dem Roncalliplatz Kunst aus dem öffentlichen Raum zur Diskussion gestellt werden. Es habe sich einfach zu viel angesammelt. Das Problem der sich akkumulierenden Kunst auf dem begrenzten Raum frage nach einer Lösung nach.

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Dabei erfahren, dass dieser „Taubenbrunnen“ ein Werk von Ewald Mataré von 1953 sei. In der Tat erschlägt die massive Kreuzblume daneben die filigrane, auch kitschige Wasseranlage. Denn mir ist sie niemals je aufgefallen früher, erst letzten Monat, als Touristen dort dieses ihr Kind mit den blaugesenkelten Turnschuhen fotografierten. Die Kreuzblume dagegen war immer ins Auge gefallen und ihre Schrifttafeln in vielen Sprachen der Welt, so auch Chinesisch. So wenig ist sie mir aufgefallen, dass ich mich frage, ob sie nicht kürzlich erst eingerichtet/wiederhergestellt worden ist. Artikel sagen: nein.

Zwar glaube ich nicht, dass die Präsentation auf dem Roncalliplatz stattfinden wird. Gleich neben dem Dom ist er beliebt für Veranstaltungen, so morgen achtzehn Uhr Rolli Brings und Kardeş Türküler gegen Erdoğan und in einer Woche „Halt an und denke“, eine soziale Skulptur der Künstlerin Yael Bartana. Nachteilig für Veranstaltungen ist, dass exakt zehn Uhr der Ton abgedreht wird, der Nachtruhe im Hotel wegen. Trotzdem glaube ich nicht, dass es ein genehmer Platz ist, um über schlechte Kunst abstimmen zu lassen. Obzwar die Lichtstele hier von Raphael Seitz beim Eucharistischen Kongress auch nicht nicht zum Schlechten zu zählen gewesen ist.

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In Matarés Pflastermuster sehe ich Sechsecke. Vor den dunklen Dreiecken heben sich Sechsecke, mal aus zwei blauen und vier hellgrauen, mal aus zwei weißen und vier hellgrauen Dreiecken bestehend ab. In meinen Augen, wie ein Kippbild mag es für andre anders sein.

Ohne Farben fallen keine Hexagone mehr auf:

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Die Farben verteilen sich: Blau 1/8, Weiß 1/8, Hellgrau 1/2, Dunkelgrau der Rest, 1/4.

Aber warum hat Mataré die Waben auf Lücke gesetzt? Haben sie doch, der Erfindungsgabe der Bienen halber, von denen Hesiod sagt, übersetzt von Thassilo von Scheffer:

Während tagüber die Bienen sich bis zum Sinken der Sonne
Ständig mühen mit Fleiß, die Weiße des Wachses zu stapeln,

und Vergil:

àt liquìdi fontès et stàgna virèntia mùsco
àdsint et tènuis fùgièns per gràmina rìvus,
pàlmaque vèstibulùm aut ingèns oleàster inùmbret,
ùm cum prìma novì ducènt exàmina règes
vère suò ludètque favìs emìssa iuvèntus,
vìcina ìnvitèt decèdere rìpa calòri
òbviaquè hospitìis tenèat frondètibus àrbos.

(Erwarte Korrekturen der Akzentuierung)

die Gabe, Flächen lückenlos zu füllen. Wie sonst nur Parkettierungen von Penrose bspw., von islamischer Kunst her bekannt.

Aber auch dabei würden die Sechsecke ihre Kenntlichkeit verlieren:

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