Im Oberbergischen

engelskirchen_overath

Überall blüht violetter Fingerhut. Ganz viel Ruhe, keine Menschen unterwegs. Das Rauschen der Autobahn ist vorher schwach und lässt vorm Hundskopf dann auch plötzlich nach. Komisch, keine Windräder finden wir. Einen Mobilfunkturm, gut. Würde ich telefonieren wollen, könnte ich, wäre der Akku nicht leer und würde das mit nervendem Quetschlaut auch immer wieder signalisieren. Als er endlich dreimal quetscht, ist endlich Schluss.

Die Schotterwege belasten schwache Sohlen. Hier und da lädt ein Baum zum Bepinkeln ein. Staune über die Vielfalt der Arten. Später haben Förster Eichen gefällt, um Wege zu versperren. Daneben blüht uns Ilex. Lange Wege über Höhen wie den Hunds- und einen nachfolgenden Berg. Überall der Fingerhut. Tauchen wir später wieder hinunter; es wird ein Auf und Ab werden, das wage ich zu prognostizieren. Immer weniger die abgezeichneten Wegkreuzungen gefunden, endlich die fotografierte Karte aufgerufen. Weit ab vom Plan. Also zurück, erneut, bis ich vielleicht den Bruchteil einer Stunde später den Zielweg wieder finden werde. Zunächst jedoch finde ich etwas, das wie eine Einsiedlerkirche ausschaut. Ein Kreuz was entfernt. Jedoch Gardinen vorgezogen, vielleicht doch ein Zuhause? Später bietet ein rauschender Bach endlich Erfrischung. Sorgen um Dehydrierung wohl was unbegründet, hat man tags zuvor noch 5 Liter Flüssigkeit eingenommen. Dennoch trank ich gerne ein paar Handvoll von dem frisch in einer Röhre unter dem Waldweg herführenden, sprudelnden Nass des Lebens. Überhaupt rieselte viel Nass hier, und auf den Wegen waren oft auch mal großflächige Lachen zu umgehen. Reiches Land des Wassers, du oberbergisches Land!

Nach den harzigen Fichtenwäldern das Zwischenziel Schalken sehr begrüßt. Kein Mensch zu erspähen, was schon mal vorteilhaft. Rechts weggebogen, an herrlichen Bäumen vorbei, wüsste ich jetzt, ob es Linde oder Ulme war? … Trug eher Ulmenblätter. Ein einsamer Ochse brüllte herzerweichend von den Schalkener Ställen her. Hier begannen Wege versperrt zu sein. Ein Hochspannungszaun zirpte noch aggressiv und fast manisch regelmäßig. Sah Wälder, Wiesen, in differierendsten Höhenlinien. Schlich weiter hinab, mich immer möglichst links haltend. Öfter jetzt waren Wege ganz versperrt durch absichtlich gefällte Bäume. Nach harzigen Fichten jetzt würzige Tannen. Fand mich enttäuscht schon auf der rechten Seite des Tals wieder, kriegte den Abzweig nach links ins Tal der … zu schützenden Naturvielfalt … einfach nicht hin. Der entscheidende Abzweig war mit rot-weißem Absperrband verhindert. Ging weiter, meinte, dann den kartierten Abzweig doch noch erwischt zu haben, ein Irrtum, und endete so in Hülsen, aber eine Weile zu oben. War fast versucht, Anwohner zu fragen, wie spät es sei. Schätzte vierzehn Uhr. Die Sonne stand hoch. Ich schlich auf Banketten einher, Autos umkurvten mich. Folgte jetzt einem Wanderweg A9, weil ich den irgendwo auf nem Anschlag gesehen hatte.

Wusste, dass ich nicht genau, sondern was nördlich vom Schlingenbachtal ging. Kam halt, wie schon erwähnt, einfach nicht ins linke Idyll hinein. Wirkte mir aber doch halb so, als wenn, und folgte dem gebahnten Weg weiter, als ein Bach von rechts her rieselte, kurz mal noch eine Erfrischung erwägend, wie eine Stunde zuvor durch das Rohr, doch verzichtet und ausschlagend, später bereut.

Wir kamen immer tiefer. Die Luft wurde drückend. Schmetterlinge flatterten. Das Grünzeug sprießte. Keine Dürre allenthalben. Offenbar war Wasser gnug letztens geflossen. Nur Gemähtes lag gilb hernieder in der Au. Erst waren die Schmetterlinge orange-schwarz gezeichnet, später schneeweiß mit kleinen schwarzen Punkten. Mal lag auch eine tote Raupe rücklings auf dem Weg. In Schlingenthal kräht ein Hahn. Auf dem Weg den Schlingenbach hinab zur Agger gellt ein Raubvogel jäh. Kurz darauf zwitschert ein Vogel.

Mein Weg die Landstraße 153 entlang war nicht so prickelnd. Hoffte auf Münden in der Agger. Es zog sich was hin, nach erster Vermutung ging kein Fußweg mehr nach links zum Bachlauf ab, der blieb total geschützt. Ging auf der linken Bankette, weil so gelernt, Autos in die Augen zu sehen. Gelernt vom Vater, der Geburtsjahr 1935 und bei Kriegsende gerade mal 9, aber Sachen von der Hitlerjugend entweder selbst oder über die älteren Brüder gelernt und jedenfalls massiv weitergegeben, wenn auch nicht zum Schlechten. Will nie wieder ohne Karte, Kompass und Uhr unterwegs sein, schwöre.

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