Blabla

was Bastei Lübbes avancierte Buchladenaktion abkürzt. Denn den 7. Himmel im hippen Belgischen Veedel schauten wir uns heute an, gemeinsam mit der Zentrale im ebenso hippen Schanzenviertel neben Brainpool, den Kaisergames, dem Schauspiel Köln und der Gothaer. Und dahin zuerst.

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Mit dem Bus am lokalen Buchladen vorbei. Einmal nur sind wir drin gewesen, das war im Frühjahr. Die Buchhändlerin gab uns Gutscheinlosen dennoch gratis das Buch „Ich schenk dir eine Geschichte“, das dieses Jahr Der Wald der Abenteuer von Jürgen Banscherus war. War das Yasmin Rincón, die den Buchladen vor genau zwei Jahren übernommen hat? Wir glauben nicht und meinen, sie hätte anders ausgesehen gehabt. Sie wirbt: „Für unsere Leser, Stöberer und Verzweifelte nehmen wir uns gerne Zeit.“

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Links liegt Bastei Lübbe, nach rechts geht es in die Keupstraße hinein. Beim Streunen durch das Schanzenviertel fanden wir Industrienostalgie. So steht ein Ziegelkamin funktionslos noch da. Vor Bastei Lübbe liegt ein schweres … was immer:

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Eine Fabrikhalle wurde gerade entkernt, als wir vorbeigingen. Viele hippe Menschen befanden sich auf ihren Standpunkten. Sie wollen was Geistflackerndes aus diesen Gemäuern machen. Vor Bastei Lübbe liegt die Lokalität Purino. Als wir vorbeigingen, hielt gerade eine Limousine aus Saarbrücken an. Ausstiegen zwei, von denen einer wie ein etablierter, vielleicht internationaler Schriftsteller wirkte. Mit defensiven Augen sah er uns an, als er sich vom Beifahrersitz erhob, als hätten wir ihn erkannt. Und gingen ins Purino rein.

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Wir erinnern uns, wie wir vor dreißig Jahren jeden Tag dieses Gelände durchquerten, wo damals Felten & Guillaume war. Vom Bahnhof durch die Keupstraße und dann quer hierdurch und über eine Brücke über die Straßenbahn hin zur sozialen Arbeit.

Das Börsenblatt schrieb, dass der tätowierte Trendsetzer Mark Benecke bei der Eröffnung des 7. Himmel ein Comicbuch erworben habe. Hier im Schanzenviertel wirbt er drei Tage vor der Bundestagswahl für eine Partei:

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Nun wollten wir in den 7. Himmel fahren. In der Straßenbahn las eine Frau sehr langsam. Sie ist von Keupstr., wo sie mit uns einstieg, bis Koelnmesse 4 Stationen weiter keine Seite weiter gekommen. Im Fließtext waren zentriert sieben Zeilen eingerückt wie ein Gedicht. Ah, sie hat weitergeblättert, und auf der nächsten Seite auch. Zweimal sechs Zeilen, unterbrochen von drei Zeilen Fließtext im Blocksatz. Was es für ein Buch ist, schafften wir nicht herauszufinden.

Als eine Frau mit Kinderwagen einstieg, räumten wir unseren Platz für sie und setzen uns hinter die Lesende. Ah, sie hat weitergeblättert, und nun ist eine Kapitelüberschrift zu sehen: „Der Hadī des Propheten bezüglich der Behandlung von Durchfall und eine Erläuterung der Nutzen von Honig“. Im Fließtext lesen wir: „der Prophet X trank“ und an der Stelle des X etwas Kurzes in fremder Schrift. Sie ist noch nicht weit gekommen im Buch, so bei 1/5 etwa.

Sie ist aber geschmackvoll gekleidet, trägt eine enge Bluejeans, hochhackige braune Stiefel, eine hellbraune Jacke aus Weichleder, ein Halstuch. Ihre mahagonieschwarzen Haare sind korkenziehergelockt. Ihre Rasse konnten wir schlecht erkennen, hellhäutig, ob sie Türkin ist? Reden hörten wir sie nicht, dennoch schätzen wir sie nicht als Intellektuelle ein. Also keine, die etwa den Islam studiert. Verlangt ein religiöser Mann von ihr die Lektüre? So ganz begeistert schien sie sich nicht ihr zu widmen.

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Über den 7. Himmel hatten wir uns über Zeitungen informiert. Neben dem oben verlinkten Börsenblatt war das der Stadt-Anzeiger und der Buchmarkt.

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Den Plan hatten wir hier schon nicht ganz verstanden, aber gut. Die Front ist links. Warum variabel interpretierbare Bilder, wenn eine Bezeichnung exakter wäre? Vielleicht ein Berliner Geheimnis. Der Colt also soll Krimi sein, das Schaukelpferd Kinder. In der Tat hingen ganz hinten Kleider. Das Zimmer vor dem Colt ist der Kiosk (im folgenden Bild). Was davor war, verstanden wir nicht, und was der Orden im Frontraum andeuten soll, auch nicht. Jedenfalls fiel uns da drinnen Clemens Meyers Im Stein in seiner Retrooptik ins rausgehende Auge.

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Im hintersten Raum wirklich eine Kleiderstange, an der Kleidchen von Reuker HP hängen. Ein Preisschild zeigt 199,- an, ein anderes 259,-. Und so hielten wir den Karton mit goldenem Schuh halt für einen Schuhkarton:

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War aber, äh, Eternal Fame. Adidas Memo Game. Haben ihn nicht geöffnet.

Im Durchgang links nach ganz hinten sind uns als erstes natürlich Kochbücher aufgefallen. Auf einem hohen Tisch, Theke, Tresen lag geöffnet A Map Of The World aus dem Gestalten Verlag. Geöffnet die Doppelseite Geteilte Inseln. Borneo und Zypern erinnern wir noch. Aber auch das geteilte Berlin war abgebildet, sind wir ziemlich sicher.

Ein Flatscreen zeigte noch den Anmeldedialog von Windows 7 Professional mit einzigem Benutzer Admin.

Auch lag da das Logobook aus dem Taschen Verlag, der seinen Laden nur drei Blocks weiter auf dem Ring hat. Ein Regal Fußball befindet sich am dem Eingang diametral entgegengesetzten Ende des Ladens. Dort sahen wir „Mein erster Stadionbesuch“ vom Verlag Die Werkstatt stehen. Neben dem Kiosk liegen die Groschenhefte, die BL groß gemacht haben. Im Kinderzimmer trauten wir uns natürlich nicht uns auf den Boden mit Grasteppich zu setzen und in den ebenerdigen Bilderbüchern zu blättern, obwohl eines mit einem hohen Format für einen langen Giraffenhals herausforderte. Auf einem Beistelltisch neben einem Lesesessel lagen immerhin drei Exemplare von Kruses „Urmel saust durch die Zeit“. Im Coltraum ließen wir uns in einer der zwei Hörnischen nieder. Vier Titel stehen hier zur Auswahl: Browns Inferno, Folletts Winter der Welt, Eschbachs Todesengel und Hancocks Tanz auf Glas. In der zweiten Nische vier weitere. Wir wählten Inferno und bemerkten, dass wir auf Jerry-Cotten-Heften saßen. Wir hörten von einem Krankenzimmer in Florenz, einer Siena (nicht die Stadt), und als eine Luxusyacht auftauchte, war das offenbar bereits das zweite Kapitel. Das Inferno lag auch aufgetürmt auf einem Verkaufstisch vor uns und auf dem obersten Band stand ein schwarzer Rabe. Die Regale hier haben die Titel: Polit-Thriller, Nordisch, Regio, Kriminalromane. Unter Nordisch abba keine Edda zu finden, sondern Adler Olsen. Kölner Regionalia befinden sich unterm Kioskfenster.

Beim Eintreten sahen wir Kirsten Willeken an der Kasse und Maja Kuß in der Teeküche dahinter. Später sahen wir Willeken draußen im Fenster sitzen und rauchen. Ein Mann gab Lieferanten oder Gestaltern Anweisungen. Ob das Kluge war, wissen wir nicht, da wir den Blick nicht erhoben haben. Simone Hehl sahen wir gar nicht, vielleicht ist sie krank. Oder essen gewesen, denn es war um die Mittagszeit.

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Auf der Heimfahrt sah zwei Reihen vor uns ein Chinese auf einem iPod classic eine amerikanische Serie. Ein bärtiger Sportstudent uns gegenüber tippte auf dem Handy. Und wir lasen auf dem Pyrus mini von TrekStore Yang Jiangs Erinnerungen „Wir drei“. Auch das ein Kochbuch, weil sie gerade von Fleischzubereitung erzählt:

我们搬入达蕾出租的房子,自己有厨房了,钟书就想吃红烧肉。俞大缜、大姻姊妹以及其他男同学对烹调都不内行,却好像比我们懂得一些。他们教我们把肉煮一开,然后把水倒掉,再加生姜、酱油等作料。生姜、酱油都是中国特产,在牛津是奇货,而且酱油不鲜,又咸又苦。我们的厨房用具确是“很不够的”,买了肉,只好用大剪子剪成一方一方,然后照他们教的办法烧。两人站在电灶旁,使劲儿煮———也就是开足电力,汤煮干了就加水。我记不起那锅顽固的犟肉是怎么消缴的了。事后我忽然想起我妈妈做橙皮果酱是用“文火”熬的。对呀,凭我们粗浅的科学知识,也能知道“文火”的名字虽文,力量却比强火大。下一次我们买了一瓶雪利酒,当黄酒用,用文火炖肉,汤也不再倒掉,只撇去沫子。红烧肉居然做得不错,钟书吃得好快活唷。

In zwei Wochen will Bastei Lübbe an die Börse gehen. Wohl deshalb wird jetzt Propaganda betrieben.

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