Exotismus

1842 schrieb Flaubert im Buch des Monats, übersetzt von E. W. Fischer:

In einem Nachen aus Zedernholz, einem länglichen Nachen, dessen dünne Ruder Federn gleichen, mit einem Segel aus geflochtenem Bambus, werde ich beim Lärm der Gongs und Tamburine in das gelbe Land einziehen, das China heißt. Die Füße seiner Frauen kann man in der Hand halten. Ihr Kopf ist klein; ihre feinen Augenbrauen sind an den Enden emporgezogen. Sie leben in Lauben aus grünem Schilfrohr und essen Früchte mit samtartiger Haut von bemalten Porzellantellern. Mit spitzem, bis auf die Brust herabreichendem Schnurrbart und kahlgeschorenem Haupte schreitet der Mandarin, einen runden Fächer mit den Fingern haltend, in den Saal, wo Dreifüße rauchen, und geht langsam über Reismatten. Eine Quaste hängt im Rücken an seinem Zopf, eine kleine Pfeife sitzt in seiner spitzen Mütze, und schwarze Schrift bedeckt sein Gewand aus roter Seide. Ach, zu wieviel Reisen haben mich nicht die Teebüchsen angeregt.

China nicht das einzige Land des exotischen Eskapismus. Zuvor von der Sahara („Ach, wer sich auf dem Rücken der Kamele schwanken fühlen könnte!“) nach Ostafrika („so liegt jenseits der Sudan, das Land der Neger, das Land des Goldes“), der „grimme Malabar“ mir nicht bekannt, „Haie folgen den Schiffen und verschlingen die Leichen“ wie Rimbauds Bateau ivre. „Ach Indien! Indien vor allem!“ mit schwülstigen Bildern. Nach ihm China wie zitiert, dann Melvilles „Wale und Pottfische“, immer raumgreifender, dann wieder enger werdend nach Andalusien, verschiedenen Orten in Italien, schließlich Sizilien, und abbrechend.

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