Stammheimer Kunst

Den Schlosspark in Köln-Stammheim bevölkern gegen Mittag ein paar HundehalterInnen, ein Trupp von Profis angeleiteter HilfsgärtnerInnen und 63 Kunstwerke. Der Park ist recht weitläufig, mit lockerem alten Baumbestand, und öffnet sich als Dreieck zum Rhein hin. Das Schloss steht nicht mehr, Herbert Labusga erinnerte 2002 mit seinem „Schloss mit Grafenpaar“ an es:

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Eine Tafel mit 36 Fotos zeigt, wie die Betonformen vor Ort in ausgeschachtete Erde gegossen wurden. Die Memento-mori-Knochen sollen zufällig hineingeraten sein, schreibt die Informationstafel, wirken dafür aber zu aufgesetzt.

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Die Gräfin taucht in einer Skulptur von Gilbert Flöck noch einmal auf, inmitten von sieben Hunden wie Schneewittchen. Keine zwei Hunde gehören derselben Rasse an. Interessant die Standfestigkeit der Gräfin: Ein Bein stützt sie nach vorn, das andere nach hinten, zu den Seiten stützt sie die Kontur ihres Reifrocks. Die Hunde im Park stören sich an ihren Ebenbildern nicht.

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Noch dreimal wird mit Drahtgittermodellen gearbeitet. Wolfgang Herterich und Riccarda Menger haben das abstumpfte Ikosaeder eines Fußballs in eine Baumkrone gelegt. Foersts, Herterichs und Kaisers Lebens-Baum erklettern drei oder vier Figuren wie aus Maschendraht, ehe Pappmaché aufgetragen ist. Michail Stamms Lilienthal-Mops besteht aus einem goldenen Hund auf weißer Säule, der unbespannte Flügel wie eines Gleitfliegers von Otto Lilienthal um den dicken Hals trägt. ottos mops kommt einem in den Sinn.

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Überhaupt wird viel auf Aha-Effekte gesetzt. Drei bis zur Hüfte in die Erde versunkene schreitende Figuren von Peter Marth und Stephanie Schröter heißen die Wa(r)tenden. Mario Langes Kubikmeter Poesie ist jedoch 1,51 Meter hoch drei groß, was uns leider nicht aufgefallen ist. Das Gespinst von Jaeyong Choi besteht bei näherem Hinsehen aus Kabelbindern und heißt auch so. Armin Benson hat eine Firewall errichtet. Exemplarisch begegnet gleich am Parkeingang ein Teekesselchen von Anno Bergmann: Ein großes Vorhängeschloss hängt an einem Parkschild.

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Schön ist, wie die KünstlerInnen ihre Objekte mit dem Boden und den Bäumen spielen lassen. Von Helen Efe Doghor-Hötter kriecht eine Raupe einen Baum empor. Aus der Erde erhebt sich ein Monster von Tobias Möhring. Die Schädeldecke als der Hand zugehörig haben wir nicht erkannt. Ati von Gallwitz hängt zwei Blätter in einen Baum, wo sie wirbeln. Wo anders wäre es Müll, in Deutschland ist die Neue Ernte von Joachim Knobloch Kunst. Unser Highlight die Befreiung der Parkbank von Andreas Schmolz. Sie am tiefsten eingebettet in den Ort.

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Etwas ins Schlingern gebracht hat uns dieses Kunstwerk in der Nähe des Schilds zu Linda Cunninghams Remnants (Überbleibsel). Gehört es dazu? Oder hat es der Guerillakünstler Josef Enckelmann eingeschmuggelt? Woanders war die Rede von einem Werk von ihm namens „FIFA World Cup 1926“.

Ganz ratlos standen wir vor Mila Langenbehns und Annemarie Stollenwerks „Nach der Kirschblüte“. Lasen das in den Erdboden gesteckte Schild, blickten auf, sahen einen Baum. Nichts Künstlerisches dran zu entdecken. Suchten nach etwas Künstlerischem als Differenz zum Natürlichen. Fanden nichts. Spekulierten, kann Konzeptkunst darin bestehen, etwas Natürliches auszustellen. Dachten, kann auch geklaut worden sein. Gaben auf.

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