Farbenlehre

Émile Zolas Das Werk (L’œuvre), aufgrund dessen Cézanne mit ihm brach, ist in seinem Naturalismus – der Wiedergabe von Eklem ohne höheres Ideal – schwer zu ertragen. Natürlich, es ist ein feuilletonistischer Roman, in Fortsetzungen in Zeitungen erschienen. Er bedient ein Interesse am Sujet, die Figuren wie Karikaturen.

Gut gelungen aber Zolas Variante „Im Freien“ von Manets Frühstück im Grünen. Gut beschrieben die von Manet durchaus verschiedene Komposition – ein Mann in schwarzer Samtjacke, der dem Betrachter den Rücken zuwendet; eine nackte Frau liegt im Gras; im Hintergrund balgen zwei Frauen miteinander, während bei Manet es eine Partie zu viert ist, zwei angezogene Männer, eine Frau bei ihnen, eine weiter hinten – und die Herausforderungen durch die verschiedenen Bildpartien, vor die sukzessive der Maler Claude Lantier sich gestellt sieht. Homerisches Gelächter im Salon des Refusés erntet dieser Wurf. Ein karrieristischer Journalist will die Malerei der Jungen unter dem Label En plein air hochschreiben und damit sich.

Die Geliebte des Malers und – Stand Kapitel VI – Mutter seines Sohnes Jacques, findet seine Farben falsch. Schon zum Einstieg hat sie gestört:

Noch nie hatte sie eine so fürchterliche, grobe, grelle, in ihren Tönen gewaltsame Malerei gesehen.

Doch jetzt beweist er ihr:

wenn es ihr nicht mitunter die Sprache verschlagen hätte angesichts eines lila Geländes oder eines blauen Baums, die alle ihre fest gegründeten Vorstellungen von Farbgebung über den Haufen warfen. Als sie sich eines Tages ausgerechnet wegen eines azurblau gewaschenen Pappelbaums eine Kritik erlaubte, ließ er sie anhand der Natur selber dieses zarte Erblauen der Blätter feststellen. Das stimmte also doch, der Baum war blau; aber im Grunde ergab sie sich nicht, verdammte sie die Wirklichkeit: es konnte in der Natur keine blauen Bäume geben.

Wenigstens ein bisschen erinnert’s uns hier an unsern Goethe. Im Ganzen mehr aber an Bouvard und Pécuchets Vergeblichkeit.

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