CottEnDetail 3

Nicht dass ich das Buch abgebrochen und das Mittelstück ausgelassen hätte, sondern vorm Weiter mit dem Cocker das Nachwort des Herausgebers wiedergelesen, weil ich’s am Dienstag schon in der Leseprobe online konsumiert hatte.

Diese vier Seiten Lyrik liegen mit Endreimen vor. Reime, oder Form überhaupt nützt, damit Gehörtes besser gemerkt und weitertradiert werden kann. Siehe die Homeriden oder „Ach, neige, / du Schmerzensreiche“. Aber ein anderer Aspekt kommt hinzu. Es bringt neue Dinge hinein, auf die die Autorin allein vielleicht gar nicht gekommen wäre. Habe selbst mal über Schostakowitsch geschrieben, da haben die Endreime, oder nein, ich meine, es war der Hexameter oder sogar Distichen, Abbiegungen erzwungen, die ohne Korsett nicht erfolgt wären. Zwar habe ich mich an den Fakten entlang gehangelt, aber die formale Anforderung machte Lösungen notwendig, die neue und sogar akzeptable Zutaten ins Gericht brachten.

Gucken wir uns jetzt Cottens Reime en detail mal an. aabbcc usw.. Nur die unreinen sollen aufgeführt werden. Gewächsen reimen auf ächzten, schmeißen auf keifen, Rasen auf lagen. Entlassen unrein auf Maßen. Bauhof auf Velo drauf, ein interessanter Reim, bei dem die Vokale überkreuz liegen. Leerzeile. In diesem ersten Abschnitt neben den genannten unreinen sechs reine Reime.

Zweiter Abschnitt. Todes reimt auf Lotus, täglich auf schädigt. Nun wird es vertrackter, denn vertrackter reimt sich auf Kot. Unwillkürlich ersetzt man Kot durch Kacke, vielleicht sagt man selbiges nicht bei Suhrkamp? Andererseits spricht der Hund Cocker von Pisse. Nach einer partnerlosen Zeile die zweite Leerzeile, dann folgt die Partnerin: Schergen auf bemerken. Nicht mal unrein zu nennen „Proserpina“ „und es schien ihr“. Cotten scheint sie auf der vorletzten Silbe zu betonen. Viele reine, dann dankt ein Punk, reimt sich heißt auf weiß und Denken auf verwirren. Man stutzt. Beim Lesen noch das Denken verarzten wollen, „mit offenbar verkehrtem Denken“ durch „mit offenbar verkehrtem wirren Denken“ oder sogar ohne Denken ersetzt, aber dann hat man Identität und wirren reimt sich auf verwirren, nicht schön. Jetzt beim Schreiben fällt mir ein das Zweite zu verändern und was reimt sich auf Denken? Beschenken. Und so macht’s auch Sinn: „anstatt mit offenbar verkehrtem Denken / mich selbst und alle anderen zu beschenken“. Prima, die negative Aussage subversiv positiv unterlaufen.

Ist die Cotten vielleicht koprophil? Oder der Autor dieser Zeilen, ein gewisser Torsten Werckescheidt? Denn vor der nächsten Leerzeile kommt ein Stuhl, auf den nach dieser eine Attacke folgt. Stuhl => Stuhlgang => Kacke. Aber nein, auf die Attacke folgt eine kotbeschmierte Mappe. Also steht der Stuhl partnerlos im Gedicht rum und nach der Leerzeile geht’s weiter mit aAbbcc usw.. Jetzt wird’s ein bisschen durcheinanderer und ich verliere Lust und Geduld. abba, wobei verschlossen sich mit beschloss ich begnügen muss. Dann finde ich nichts Rechtes mehr, dann vier reine aaaa und später nochmal bb, kurz vor dem Ende noch mal ein paar weitere Paare und das war’s.

Die Herausgeberin bemerkt, dass Torsten Werckescheidt über dem Verfassen des Gedichts verschieden sei, es ist also unabgeschlossen, vielleicht hätte er am Ende noch gefeilt, wär’s ihm vergönnt geblieben.

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