An meinem Fünfzigsten

nach Reich-Ranitzky heute über Fontane mit einer Anspielung auf Odysseus

Niemands Briefe sind angekommen.
Bin vor Freude wie benommen,
hatte Furcht, dass vielleicht alte Namen
aus Abgelegtem in den Kopf kamen.

So machen Menschen mir schönste Geschenke,
indem sie mich lassen und ich die Zeit, indem ich denke,
nutzen kann und sie nicht auf anstrengenden
Smalltalk muss wenden.

Das Internet, das böse, ist ja voll
von Gehaltvollem, das ist toll!
Man liest Bestes von Menschen, welche niemals
im Realen einem fallen würden um den Hals.
Man findet Anspruch und Zuspruch von jedem Ort
auf der runden Erde und schätzt entferntes Wort.
Keiner, der emotional Ansprüche stellte
und, reagiert man nicht passend, Vorwürfe hälte.
Nein, wie ein Voyeur liest man
und kichert, dass niemand wissen kann,
ob man etwas gelesen hat
oder ob man ganz was andres tat.
Das ist klasse, das hat Stil,
das schützt einen vor Zuviel.

Bücher, die stummen Freunde –
nein, darauf reimt sich nichts –
Bücher, die Freiheit lassen
uns Lesern, ob wir sie hassen
oder lieben, er wird’s nicht erfahren,
der Autor, der’s geschrieben.
Nicht müssen wir’s unbedingt
im ersten Rausch beschwingt
auf Facebook teilen,
nach Twitter eilen,
unsre Meinung auskeilen,
ohne am Sagen zu feilen.

Achtet der Ruhe!
Bindet Eure Schuhe!
(Manchmal erzwingt das Reimen das.)
Macht auf kein Fass!

Fünfzig Jahre und kein bisschen weise,
mit 66 fängt das Leben an,
siebzig verweht,
und die Seele mit dem Tod vergeht, so!

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