Korrektur der Begriffe

Dem Kapitel 云谷禅院 Yungu Chanyuan, Cloud Valley Ch’an Meditation Cloister fügt Wang Hongdu (汪洪度, 1646 – 1722) die Aufzeichnung eines Lamentos des Zenmeisters Bo’an (檗庵, 1624 Beamtenprüfung bestanden) an. Zuvor im Kapitel schrieb Wang:

I had the opportunity of visiting him [Bo’an], and he described to me all his various complaints and causes of resentment, speaking at great length without ending.

Nur kurz erwähnt er dann, dass Bo’an danach nach dem Berg Hua umzog, wo er alsbald verschied, als letzten Willen hinterlassend, dass er gern in den Gelben Bergen begraben werden würde. Darauf folgt über fünf Seiten die Aufzeichnung von Bo’ans Lamento.

Bo’an beginnt damit, dass, anders als Wang, der über die Zahllosigkeit der Touristen klagt, nur einem von hunderttausend Menschen es möglich sei, die Gelben Berge zu besuchen. Er selbst sei einer dieser Glücklichen. Aber er könne nicht seine Worte benutzen als Ersatz für die Augen der Hunderttausend, die es nicht geschafft hätten. Damit hat er es zum Thema der Beschreibungsimpotenz geschafft und wird erst mal grundsätzlich. Dinge zwischen Menschen kann ein Mensch ganz gut beschreiben. Bei Sachen, die halbe-halbe das Himmlische (das ist die Natur) wie das Menschliche betreffen, kann ein beschreibender Mensch sich so ungefähr der Wahrheit annähern. Aber bei Dingen, die ganz himmlisch (natürlich) sind, gibt es nichts Adäquates zu sagen. Viele können Analogien aneinanderreihen, aber ganz wenige nur können aus den Analogien Schlussfolgerungen ziehen. So weit habe ich es eng ans Englische durch Jonathan Chaves geschmiegt wiedergegeben.

Nun macht der Gedanke einen Sprung, denn Wang schreibt, Bo’ans Worte wiedergebend: „Therefore, the mere names of things cannot be developed into full descriptions.“ Beim ersten Lesen dachte ich an Konfuzius‘ Rectification of names. Konfuzius sagt: „正名是最重要的。 Eine Korrektur der Begriffe ist das Wichtigste.“ „如果名不正,言论便不通顺。 Sind die Begriffe nicht korrekt, ist die Sprache nicht in Übereinstimmung mit der Wahrheit.“ Wobei der Übersetzung zweiter Teil vielleicht überinterpretiert ist. Schlichter könnte man sagen: „Sind die Begriffe nicht korrekt, erfolgt eine Erörterung nicht verständlich und adäquat.“ Usw. usf.. Schön wäre das, weil wir den Daoismus schon hatten und nun den Zenbuddhismus. Mit Konfuzius wäre die dritte Religion mit im Boot.

Beim zweiten Lesen scheint es mir viel geringer aufgehängt. Wir befinden uns schließlich in einem Reiseführer, eine Aufzählung von Namen wird die Namen von Gipfeln, von besonderen Kiefern meinen, und Bo’an meint, dass dem Leser aus einer Auflistung der doch immerhin beschreibenden Namen noch nicht ein annähernd richtiger Eindruck der Szenerie vor Ort entsteht.

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