Gespräch mit mirabilis-Verlegerin

Aufmerksam auf sie geworden durch ihren Kommentar bei Keuschnig. Auf der Homepage ihres Verlags mirabilis lässt sich ein Gespräch mit ihr anhören, von Monika Werner geführt. Eine wunderbar-erotische Stimme, die angenehm langsam und gelassen spricht. Die Dialektfärbung muss ich noch rausfinden, Heidelberg?

Hier also meine Verschriftlichung dieses siebenminütigen Gesprächs:

Barbara Miklaw, Sie sind Diplomingenieurin für Wasserbau, die von Kindesbeinen an von Büchern fasziniert ist, aber warum gründet man einen eigenen Verlag?

Eigentlich bin ich gar nicht selbst auf die Idee gekommen, sondern die Idee kam zu mir, und zwar in Gestalt meines späteren ersten Autors, der zu mir sagte: Gründe doch einen Verlag, du könntest organisatorisch das ganz wunderbar hinbekommen. Und eigentlich hatte ich ihn überreden wollen, erst mal etwas zu veröffentlichen. Und zwei Jahre lang hab ich diese Idee ganz weit von mir gewiesen und dann auf einmal dachte ich: Eigentlich ist das genau das, was ich schon immer mal machen wollte.

Ihr erster Autor, das ist Rainer Rabowski. Also mit dem arbeiten Sie bis heute ganz eng zusammen. Wie haben Sie den überhaupt gefunden?

Und zwar über sein Weblog. Das hieß Tage- und Nachtbuch und dort hat er Erzählungen veröffentlicht und Lyrik ab und an. Und als ich das erste Mal in diesem Blog gelesen hab, da hab ich gedacht: Wow! So eine Sprache und so ein besonderes Schreiben und so besondere Gedanken hinter diesem Schreiben, ganz toll. Und ich hab da immer gelesen, hab ab und an auch mal was kommentiert, und irgendwann war eine Erzählung dort verschwunden, und da hab ich mich per Kommentar beschwert und bekam die Erzählung aber dann zugeschickt. Und so hat sich dieser Kontakt eigentlich entwickelt und ich hab dann irgendwann für ihn lektoriert und ich bin da ganz froh darüber, dass er mein Autor ist.

Jetzt ist es ja so, dass viele sich an Bestsellerlisten orientieren, der Büchermarkt ist groß, keiner weiß so richtig, was er kaufen soll. Was ist denn für Sie ein gutes Buch?

Ein gutes Buch ist für mich eins, das bleibt. Wo ich nach Wochen, nach Monaten noch Erinnerungen an dieses Buch hab, wo ich mit Worten gemalte Bilder noch vor Augen hab. Wenn ich mich an die Sprache des Buches erinnere oder auch an ein wirklich tiefgründiges Thema, über das ich lange nachdenken musste oder das ich auch weitergedacht habe, also das ist für mich dann ein wirklich gutes Buch.

Das heißt also, ein Buch nicht nach Arbeit, wenn man völlig fertig ist, zum Abreagieren, sondern wirklich eins, wo Sie sagen, da nehm ich mir Zeit, da setz ich mich hin, das genieße ich?

Ja. Also so ein Buch ist zum Beispiel Unsere Sache von Rainer Rabowski, das erste Buch, das im Verlag erschien. Es sind sechs Erzählungen und wenn ich das heute wieder aufschlage, ich finde immer wieder etwas Neues, was mich total fasziniert, wo ich noch mal nachlesen will, wo ich auch mal was nachschlage. Es ist viel an kunstgeschichtlichem Wissen, an philosophischem Wissen drin, und, ja, das ist für mich ein ausgesprochen gutes Buch.

Es gibt ja einen neuen Trend, das sind die E-Books. Warum, sagen Sie, sollte man ein gedrucktes Buch in der Hand halten?

Ah, ich hab gar nichts gegen E-Books einzuwenden. Ich nehm zum Beispiel in den Urlaub auch immer einen Reader mit und lese dann auch E-Books, dann muss ich nicht meine fünf bis zehn Bücher transportieren. Das ist natürlich auch ganz praktisch. Ich würde auch als Verlag E-Books produzieren, die Möglichkeit gibt es, das ist gar nicht kompliziert. Ich würde die auch verkaufen, aber es kommt immer drauf an, ob ein Buch auch geeignet ist, als E-Book gelesen zu werden. Jetzt zum Beispiel der entstehende Essay von Lothar Struck zu Peter Handke und das Kino, den möcht ich gar nicht unbedingt als E-Book sehen. Es wäre mir schade um die Bilder, um das Anfassen, um das Blättern darin. Und, manche Bücher hab ich gern als E-Book, aber die, die mir besonders am Herzen liegen, die mir viel bedeuten, also die möchte ich dann schon lieber im Regal auch stehen haben. Und wenn ich nach zehn Jahren da drin stöbere und finde ein Buch wieder, das ich nahezu vergessen hatte, dann ist es auch ein kleines Glücksgefühl manchmal.

Also Ihre Autoren, mit denen Sie zusammen arbeiten: Rainer Rabowski ist der erste, auch Jost Renner und jetzt Lothar Struck, die scheinen Ihnen wirklich so richtig am Herzen zu liegen. Wieso sind diese persönlichen Beziehungen so wichtig für Sie?

Mir liegen natürlich alle meine Bücher am Herzen. Hinter jedem einzelnen muss ich ja stehen. Das war Unsere Sache von Rainer Rabowski, das war ein ganz langer Entstehungsprozess, und dann der kleine Gedichtband von Jost Renner, auch die Haltestellen von Rainer Rabowski. Und jetzt entsteht eben gerade der Essay von Lothar Struck, weil das Thema auch ein ganz wunderbares ist. Lothar Struck betreibt ein Blog im Internet, das heißt begleitschreiben.net, und von daher kenn ich ihn schon viele Jahre lang virtuell und weiß, dass er sich sehr viel mit Peter Handke beschäftigt. Also mit der Literatur und aber auch mit den Kinofilmen, die Peter Handke gedreht hat, mit Wim Wenders zum Beispiel Der Himmel über Berlin. Und dieses Kinothema, das ist eigentlich noch relativ wenig besprochen in der Literatur. Und der Essay beschäftigt sich zum einen mit den Filmen, die Handke selbst gedreht hat oder wo er die Vorlage, das Drehbuch geschrieben hat, und zum anderen auch mit den Filmen, die ihn inspiriert haben. Und aus all dem kann man wunderbar sehen, wie Peter Handke auch dem Film verhaftet ist, begeistert ist als Kinogeher. Und das hat Lothar Struck ganz wunderbar in dem Essay dargestellt. Also ich mag das Buch sehr, er hat außerdem ganz akribisch recherchiert. Er kann alles belegen, was er in dem Buch schreibt. Es gibt Literaturquellen und am Schluss des Buches noch eine Filmographie, in der das Wichtige zu den Filmen dargestellt ist.

Jetzt gibt’s aber auch junge, ganz unbekannte Autoren. Sind Sie offen für solche Neuen? Bewerben die sich dann bei Ihnen oder wie läuft sowas, wenn man selbst ein Buch geschrieben hat und einen Verlag sucht, der’s drucken soll?

Also heutzutage kann ja praktisch jeder irgendwas veröffentlichen. Das ist auch so ein bisschen die Tragik, da wird die Idee einen Verlag zu gründen noch mal ein bisschen verrückter dadurch. Aber, um ein gutes Buch zu veröffentlichen, braucht man schon wirklich einen Verlag oder zumindest jemanden, der lektoriert, der sich mit den ganzen Vorbereitungen, der Organisation beschäftigt. Ich weiß, dass viele Leute schreiben, und dass viele auch dann nach einem Verlag suchen. Und da bin ich durchaus offen als Ansprechpartner, wenn es ein gutes Manuskript ist, ein gutes Thema, eine schöne Sprache, dann könnte mich das Manuskript durchaus interessieren. Also ich bin da sehr offen. Ich hab auch kürzlich einen neuen Autor gefunden, von dem eine Erzählung erscheinen wird, Ende des Jahres vermutlich, Ingo Schramm. Ein Berliner Autor, der 1996, glaube ich, sogar in Klagenfurt beim Bachmann-Wettbewerb gelesen hat, und der früher beim Aufbau-Verlag veröffentlicht hat. Und da bin ich auch ganz stolz und froh über die Zusammenarbeit und hab von ihm eine Erzählung als Manuskript.

Für diese neuen Projekte wünsch ich Ihnen viel Erfolg, Barbara Miklaw. Danke für’s Gespräch.

Eine Antwort to “Gespräch mit mirabilis-Verlegerin”

  1. Barbara Miklaw Says:

    Oh … was für eine Überraschung! Vielen Dank für Ihre Mühe und das Stimm-Kompliment. – Einen (meinen) Fehler muss ich korrigieren: Ingo Schramm hat nicht bei Aufbau, sondern bei Volk und Welt veröffentlicht. (Und: Heidelberg stimmt nicht, es ist eher eine wohnortwechselbedingte Mischung aus – u. a. – Dresden und Berlin.) – Ich lese mal noch weiter in Ihrem Blog – sehr schön und interessant.

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