Odysseus und Polyphem

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Einem interessierten Kollegen die Geschichte von Odysseus beim Zyklopen erzählt. Aber nicht mehr richtig zusammenbekommen. Odysseus und seine Gefährten krallen sich an die Schafbäuche, die der Zyklop zum Weiden aus der sizilischen Höhle treibt. Doch er bemerkt sie – am Geruch, fällt mir jetzt ein? Er ist geblendet – fällt mir jetzt ein? – und ruft: Wer ist da? Odysseus antwortet: niemand. Der Zyklop entdeckt sie dann doch und läuft um Hilfe zu seinen Zyklopenkollegen. Die fragen: wer stört dich? Niemand, sagt er. Und sie lachen.

Hm, muss es unbedingt noch mal nachlesen! Gesagt, getan:

Nein, der Zyklop fragt erst noch leutselig den eingesperrten Odysseus nach seinem Namen. Der sagt: niemand. Schön, dich werde ich als letzten verspeisen. Dann blendet Odysseus den Zyklopen, was nicht schwer ist, da der nur ein einziges Auge hat. Polyphem jault laut auf, seine riesigen ethnischen Brüder fragen: Was ist denn? Niemand tut mir was an, sagt er. Gelächter. So können die Irrfahrer am blinden Zyklopen vorbei an die Schafsbäuche gehängt der Höhle entkommen.

Und vergessen Galatea. Beispielsweise bei Theokrit, übersetzt von F. P. Fritz:

Dir, Polyphemus, bewirft Galatea die Herde mit Äpfeln,

Nennt einen Tölpel dich in der Liebe und einen Geißhirt.

Und du schaust sie nicht an, o du Dummkopf, sitzt nur und flötest

Hold auf der Syrinx. Doch sieh da, schon wieder! Sie wirft nach dem Hunde,

Welcher dir folgt, um die Schafe zu hüten. Der aber blickt ins

Meer und bellt, und es spiegeln sein Bild die lieblichen Wogen,

Während er so an dem leise plätschernden Strand hin- und herspringt.

Passe nur auf, dass er nicht auf die Beine des Mädchens sich stürze,

Wenn aus dem Meere sie kommt, und die zarte Haut ihr verletze!

Sie kokettiert ja mit dir von dorther sogar wie der dürre

Flaum, von der Distel verweht, wenn der strahlende Sommer ihn trocknet:

Flieht vor dem, der sie drängt, verfolgt aber den, der sie meidet;

Ja, von der Linie rückt sie den Stein. Denn fürwahr, dem Verliebten

Schien ja schon oft gerade das Hässliche schön, Polyphemos.

Und komplett Polyphems Liebesgesang in der elften Bucolica, sehr lesenswert! Sie endet mit:

So bezwang Polyphem durch Gesang die Qualen der Liebe.

Besser gings ihm dabei, als wenn Gold er hätte gegeben.

Θεόκριτος ist ein großer Meister!

Dann auch bei Ovid, übersteigerter poetisiert, ins Deutsche gebracht von Erich Rösch:

Schon, Polyphemus, kämmst mit dem Karst du die störrigen Haare,

Schon beliebt’s dir, den struppigen Bart mit der Sichel zu schneiden

Und deine wilden Züge im Wasser zu schaun und zu glätten;

Da möchte man gerne wieder die Alten lesen.

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