Einstellungstest

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Virginia 1985. Auf den schwarzen Brettern der Virginia Tech tauchten Stellenanzeigen eines Start-ups auf. Der Name des Betriebs war nicht angegeben, wohl aber eine Adresse. So fanden eines Samstags acht BerwerberInnen dorthin und sich in einem Großraumbüro wieder, das noch ein großer Raum war. Die Cubicle-Stellwände säumten noch die Wände.

Eintrat J. C. D., so stellte er sich vor und kündigte gleich an, dass er nur die Hälfte der BewerberInnen einstellen könne. Die heutigen Verlierer sollten aber nicht traurig nach Hause gehn, sondern, so es so lief, wie im Businessplan vorgesehen, würde er in vier oder drei Monaten auf sie zurückkommen. Er gratulierte ausdrücklich allen dazu, diese Gelegenheit zu ihrem Glücke am Schopfe gepackt zu haben.

„Das Auswahlverfahren findet folgendermaßen statt. Sie bilden zwei Teams. Arnie, Bernie, Cat und Doreen sind das eine, Eddie, Freddy, Giselle und Hal das andere. Beide Teams spielen gemeinsam gegeneinander und das am Ende Winnerteam wird komplett eingestellt. Das zweitplatzierte Team geht, wie gesagt, nach Hause, aber bitte, bitte ohne hängende Köpfe. Die Team members sind Gewinner einer Option auf eine Stelle und, ich bin zuversichtlich, schon bald, very soon, it will happen.

Ihr erhaltet nun eine einzige Aufgabe und die besteht aus drei Teilen. Folgt zunächst den Anweisungen für alle drei Teile und dann werde ich Euch eine Frage stellen, die jedes Team für sich, aber untereinander einig beantwortet. Welches Team zuerst die richtige Antwort gegeben hat, hat gewonnen und wird eingestellt. Alles klar?“

Die Bewerbenden schauen einander an und nicken ihrem Hoffnungsschimmer zu.

„Also los. Wir haben keine Zeit zu verlieren, denn unser Motto ist: „Per High-speed what YOU need“.“ Er lacht und die Bewerbenden fallen ein.

„Erster Teil. Beide Teams stellen sich 11,2 Schritt von mir entfernt auf, sodass Team von Team auch 11,2 Schritt entfernt ist. Gleichzeitig beginnen Arnie und Eddie auf mich zu zu gehen. Haben sie ein Drittel ihres Wegs zurückgelegt, beginnen Bernie und Freddy ihnen zu folgen. Im gleichen Abstand folgen Cat und Giselle und zuletzt Doreen und Hal. Ihr geht alle gleich schnell, das ist Pflicht. Wer bei mir ankommt, bleibt stehn. Nur einer schert aus: Freddy. Sobald er ein Drittel seines Wegs zu mir zurückgelegt hat, biegt er ab auf Bernie zu. Bernie geht weiter und Freddy, anstatt weiter auf Bernie zu zu halten und eine Kurve zu beschreiten, bleibt bei der einmal eingeschlagenen Richtung, bis er auf Doreen trifft. Der folgt er dann bis zu mir.“

Zum Glück händigt er die Anweisung ihnen schriftlich aus. „Beratet Euch in Euren Teams!“, fordert er, „dass Ihr es richtig ausführt.

Dann kommt Teil 2. Diesmal stellt Ihr Euch in einem Kreis um mich herum auf, sodass Ihr alle einen Abstand von 5 Schritten zu mir habt. Dreht Euch dann nach links, fasst Euren Nachbarmenschen an die Schultern und los geht die Polonäse.“

Hal wendet ein, dass der Abstand zum Nebenmann dann 3,9 ¼ Schritt betrage und damit länger als eine Armlänge sei. „Dann machen wir den Kreis halt kleiner, egal.“ J. C. D. winkt Costas heran, seinen Berater, und berät sich mit ihm. „Wie lang sind Eure Armlängen. 1 Meter? Genügt das? Dann stellt Ihr Euch jedeR 1 ¼ Schritt von mir entfernt auf. You got me?“

Die Bewerbenden nehmen die Anweisung entgegen und setzen auf die Aushändigung einer Unterlage.

„Der dritte und finale Teil ist, dass beide Teams sich diametral entgegengesetzt von mir aufstellen, jedes Team 5,6 Schritte von mir entfernt. Das zweite Team geht zeitgleich mit dem ersten los, aber mit halber Geschwindigkeit nur. Die Members eines Teams gehen wieder nach und nach los wie beim ersten Teil. Die Members des zweiten Teams gehen nach Westnordwest, die des ersten nach Südsüdwest. So treffen paarweise Arnie und Eddie im selben Raumzeitpunkt aufeinander, Bernie und Freddy usw. und alle vier Raumzeitpunkte unterscheiden sich lediglich in der Zeitkoordinate.“

Bis auf Hal hoffen alle auf das Paper.

„Habt Ihr diese drei Teile erledigt, habt Ihr in jedem Teil einen Buchstaben getanzt. Die drei Buchstaben zusammengenommen sind der Name unserer Firma. Welches Team ihn mir als erstes nennen kann, ist eingestellt. Alles klaro? So, let’s go.“

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„Und die Frauenquote?“, fragt Doreen. „Ich bin kein Mann.“, sagt Annie, „mein zweiter Buchstabe wurde falsch gelesen.“ Costas überblickt: „Insgesamt gesehen sind wir mit dem Übergang von Arnie zu Annie ausgeglichen, 4 zu 4, aber teamwise?“ Hal meint: „Wenn unter den acht Ausgangsbewerbenden vier weiblichen und vier männlichen – zugegebenermaßen keineR trans des binären Rasters, was ein Problem darstellen mag – Geschlechts sind und die Einteilung in Teams ungeachtet des Geschlechts, sondern allein des Vornamens wegen geschah, dann – sofern A – D nicht mehr weibliche und E – H nicht mehr männliche Vertreter, was dem ersten oberflächlichen Eindruck nach gut möglich ist, oder vice versa hat – sollte die Auswahl genderneutral geschehen sein dadurch, dass die Zuordnung zu einem Team schon ganz willkürlich vom Vornamen abhängt. Von beiden Teams daher Genderausgewogenheit zu verlangen, wäre wissenschaftlich gesehen wohl Überdeterminiertheit.“ So Hal. Und die Allgemeinheit schloss sich ihm an.

Im Endergebnis gewann Team 2 – why? -, das waren Eddie, Freddy, Giselle und Hal (= mmwm), gegen Team 1, das war Annie, Bernie, Cat, Doreen (= wmww), aber Einzelfälle bestätigen keine Regel.

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