Fado

Mir ist so langweilig, ich könnte fast schon wieder was schreiben. Im Fernsehen befragt Thomas Walde Steinmeier. Seine Brille ist natürlich solide. Wie ein Fels wirkt sein Gesicht. Seine Sprache rhetorisch etwas geschickt, mal wirft sie eine Welle auf, um sich lebendiger zu machen. Von Literatur keine Spur.

Was wird die Fackel der Empörung nächste Woche in Brand setzen? Wüsste mann’s, hieße man Kassandra oder Teiresias oder spielte in Reno. Zeno ein Held, der sich auch mal wieder lesen ließe. Seine Schwestern, alle mit A, in deren – wie nennt man das – Propositionen er sich heillos verstrickt und am Ende die hässligste [so spricht man hier, sagt ja auch Mistgeburt] geheiratet hat: Augusta, nicht Ada, nicht Alberta, gibt’s noch mehr? Aglaja? Und das Rauchen natürlich.

Da liest man lieber die Maske wieder. Als Hilfsbuchhalter Bernardo hat er einfach so klasse Beobachtungen uns geschenkt. Eine Fliege verfolgt er mit den Augen. Handwerker auf der Straße irritieren ihn. Sein Chef eine ständige Reizfigur, er weiß nicht, soll er ihn hassen oder bewundern? Ganz großes Kino, befinde ich und versinke wieder in die saudade. Ach, wäre ich wie er. Ich würde leben in lebendiger Metropole. Die steile Straßenbahn würde mich auf Hügel tragen und ich hätte Blick übers Meer wie einst Kolumbus. Verloren, alles verloren. Übers Erdbeben schrieb unser J.W.G.: „Eine große prächtige Residenz, zugleich Handels- und Hafenstadt, wird ungewarnt von dem furchtbarsten Unglück betroffen.“, und wie schnell die Nachricht nach Frankfurt dringt!

Ablehnenswert natürlich die Religiösität, ist ja klar. Jetzt müssen noch ein paar Zeilen her. Sprechen wir von.. ach nee, doch lieber nicht. Scheuen wir die Buchpreise nächste Woche. Ekeln wir uns vor den Nivellierern, die es auf Schwarzweiß bringen werden. Laben wir uns an vom Feuilleton nicht freigegebenen Büchern. Kratzen wir an der Deutungshoheit der hohen Herren und Damen. Lesen wir, wie wir wollen. Sind wir nicht freie Menschen?

Langweilig sind solche J’accuses. Wer lesen will, der muss es nicht in die Welt hinausschrein. Viele lesen, und wir wissen gar nicht, was. Groschenromane, LP-Booklets, Lehrmaterial, Werbung, Reklame und Werbung. Zeitung, amtliche Briefe, Briefe von Freunden, manche sogar Bedienungsanleitungen und Arzneimittelbeipackzettel. Wenige leider die Nahrungsaufsplittung, weshalb Dumme eine Ampel fordern. Schreiben muss man auf Zielgruppe hin, weshalb…

Gereimtes wird ja leider kaum noch publiziert. Wobei die Cotten ganz recht hat, es war zum Memorieren da.

Schreibe ich schlank in Waldes dunkler Hülle
Merkt sich der Leser die Silben in ihrer Fülle.

Bin ich Siegfried, in Drachenblut gebadet, doch leider eine Stelle vergessen, wo Lindenblatt fiel. Woher weiß Hagen, wo sie ist, die Stelle? Wo ist der Schatz, mein Schatz, mein Schatz. Liegt er bei der Lorelei? In Worms, in Xanten, in Rheines tiefem Strom. So tief ist er gar nicht, wir kennen ihn. Ein kiesiges Bett, begradigt, klar, eine Strömung, nun ja. Als wir aus den Buhnen fast herausschwommen, da drohte sie uns wegzuziehn gen Düsseldorf und schnell ruderten wir wieder zurück. Für Kinder mag das gefährlich sein. Die öllassenden Schiffe schwimmen auch nah. Am gleißend weißen Sandstrand dagegen hinwieder lagen attrahierende Frauen mit zwei Milchbeuteln hier und da. Und meine Freundin, paar Jahre älter, die ich liebte, mehr oder weniger und sehr. Schlug das Buch auf, der Sand rieselte hinein, bestimmt mochte sie’s nicht, aber ließ mich. Sie cremte sich ein und ich mochte sie körperlich wirklich, auch seelisch, weil wir einander abends in ihrer Wohnung mal was vorlasen, mal einen Film sahen – Jack Nicholson in „Was das Herz begehrt“ fand sie toll.

So, eine Stunde ist vergangen. Genug.

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