Die schöne Tarona

Dieses der sechste Spannungsbogen des Nachsommers. Überhaupt schnurren seine Frauengestalten arg zusammen.

6. Die schöne Tarona

So sagte mir einmal einer namens Preborn, welcher der Sohn eines alten Mannes war, der ein hohes Amt am Hofe bekleidete und öfter in unser Haus kam, die junge Tarona sei die größte Schönheit der Stadt, sie habe einen Wuchs, wie ihn niemand von der halben Million der Einwohner der Stadt habe, wie ihn nie irgend jemand gehabt habe, und wie ihn keine Künstler alter und neuer Zeit darstellen könnten. Augen habe sie, welche Kiesel in Wachs verwandeln und Diamanten schmelzen könnten. Er liebe sie mit solcher Heftigkeit, daß er manche Nacht ohne Schlaf auf seinem Lager liege oder in seiner Stube herum wandle. Sie lebe nicht hier, komme aber öfter in die Stadt, er werde sie mir zeigen, und ich müsse ihm als Freund in seiner Lage beistehen.(21,52 %)

Wir denken, eine Schwärmerei und wir werden ihr nicht wieder begegnen.

Als die Tage schon länger wurden, als die eigentliche Stadtlust schon aufgehört hatte und die stillen Wochen der Fastenzeit liefen, fragte ich eines Tages Preborn, weshalb er mir denn die Gräfin Tarona nicht gezeigt habe, die er so liebe, die so schön sein soll, und zu deren Gewinnung er meinen Beistand angerufen habe.
»Erstens ist sie keine Gräfin«, antwortete er mir, »ich weiß nicht genau ihren Stand, ihr Vater ist tot, und sie lebt in der Gesellschaft einer reichen Mutter; aber das weiß ich, daß sie nicht von Adel ist, was mir sehr zusagt, da ich es auch nicht bin – und zweitens ist sie und ihre Mutter in diesem Winter nicht in die Stadt gekommen. Das ist die Ursache, daß ich sie dir nicht zeigen konnte und daß du Gelegenheit fandest, einen Spott gegen mich zu richten. Du mußt sie aber vorerst sehen. Alle, denen heuer Schönheiten gesagt worden sind, alle, die man gerühmt hat, alle, die geblendet haben, sind nichts, ja sie sind noch weniger als nichts gegen sie.«
Ich antwortete ihm, daß ich nicht spotten, sondern die Sache einfach habe sagen wollen. (23,82 %)

Verdächtig, dass der Name wiederkehrt.

Der junge Preborn war mir auch nicht unangenehm. Er sprach noch öfter von der schönen Tarona und bedauerte sehr, daß sie auf weite Reisen gegangen und daher gar nicht in die Stadt gekommen sei, weswegen er mir sie nie habe zeigen können. (56,78 %)

Dann überraschend die Fürstin:

»Wenn ihr ein sehr schönes jugendliches Angesicht abbilden wollt«, sagte sie, »so müsset ihr suchen, das Angesicht der jungen Tarona abbilden zu dürfen. Ich bin alt, habe viel erfahren, habe sehr viele Menschen gesehen und betrachtet, aber es ist mir wenig vorgekommen, das edler, einnehmender und liebenswürdiger gewesen wäre als die Züge der Tarona. (71,32 %)«

Der Erzähler errötet. Die Fürstin fragt verständnisinnig: „Habt ihr etwa schon eine?“ Der Erzähler will von Natalie noch nicht sprechen.

Der Spannungsbogen löst sich dann ganz unbeholfen. Von Risach:

»Natalie erhält auch nach ihrer Vermählung den Teil, der ihr aus dem Nachlasse ihres Vaters Tarona gebührt.«
»Ist Nataliens Name Tarona?« fragte ich.
»Habt ihr das nicht gewußt?« fragte er seinerseits. (93,38 %)

Der Erzähler fühlt sich triumphierend:

Ich erfuhr, daß meine Vermählung mit Natalie Tarona Aufsehen errege; ich erfuhr, daß insbesonders einige meiner Freunde – sie hatten sich wenigstens immer so genannt – geäußert haben, das sei unbegreiflich. Nataliens Neigung zu mir war mir stets ein Geschenk und daher unbegreiflich; da aber nun diese es aussprachen, begriff ich, daß es nicht unbegreiflich sei. (99,37 %)

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