Buschtaben

Camele tragen große Last,
Das Cränzlein ziert den Hochzeitgast.

Mindestens zweimal tragen bei Stifter Kinder Buchstabentäfelchen zur Schule:

Der Vater blieb häufig stehen und erinnerte sich noch der Fruchtgattungen, welche auf verschiedenen Stellen gestanden waren, als er mit einem Täfelchen, darauf sich rote und schwarze Buchstaben befanden, in das eine Viertelstunde entlegene hölzerne Haus ging, das an der Straße stand, von Buchen umgeben war und die Schule für alle Kinder des Tales vorstellte. (Der Nachsommer)

Es war auch Zeit, denn die Kinder waren bereits so zutraulich geworden, daß mir ein winzig kleiner Knabe, der den Grund und Anfang aller Wissenschaften auf einem kleinen Papptäfelchen trug, seine Buchstaben aufsagen wollte. (Kalkstein)

Warum Täfelchen und keine Fibeln? Wie haben wir uns sie vorzustellen? Warum sind manche Buchstaben rot, andere schwarz, und welche?

Die Fibel, die Bienrodsche, jenes berühmte Werk Gotthelf Fibels, welches Jean Paul am Ende auf nur drei Seiten anhängt. Da würde eine Auszeichnung des gerade behandelten Buchstabens in roter Farbe Sinn machen. Sind die Täfelchen denn also eine Fibel eigentlich? (I und J wurden zusammenbehandelt, dito U und V.) Eignete sich für einen Adventskalender ob der Zahl, mit als vierundzwanzigstem Türmchen:

Christo starb für alle Leute
Am Charfreitag und nicht heute.

A noir, E blanc, I rouge, U vert, O bleu : voyelles!

Nicht ouvert sagen Franzosen. Mit 20 Jahren verstummt. Ach, le poète, kein anderer! Anders die Konsonanten. Frikativ, Plosiv, Nasal. Eignen sich zu Gittern:

MMMMMMMMMMMMMMMMMMMMMMMM
MMMMMMMMMMMMMMMMMMMMMMMM
MMMMMMMMMMMMMMMMMMMMMMMM
MMMMMMMMMMMMMMMMMMMMMMMM

Andersherum:

WWWWWWWWWWWWWWWWWWWWWWWW
WWWWWWWWWWWWWWWWWWWWWWWW
WWWWWWWWWWWWWWWWWWWWWWWW
WWWWWWWWWWWWWWWWWWWWWWWW

La libertéee!

Mit 26 Stück lässt sich unsre Welt neu erschaffen. Warum kommen wir nicht mit 23 aus? Ließe Q sich doch als Ku bzw. Kw schreiben, X als Ks und Y als Ü.

Übrig bleibt oft nur ein Rest
Von Überfülle bei dem Fest.

Xantippa war eine arge Hur,
Die X mal X macht hundert nur.

So das Nützliche mit dem Nützlichen verbunden und gleich noch bisserl Mathematik gelernt.

Die Klicklaute der Xhosa. Weich und hart B und P, D und T, W und F, G und K.

Bade heute hier mit mir,
Prüdheit sei heut fern von dir.

Dein Teint ist heut fahl zu schauen,
deshalb will ich dich nicht trauen.

Wagen fahren auf dem Wege,
Flüsse fließen über Stege.

Gartenpflege nimm als Ziele!
Kartenspielen pflegen viele.

Keilschriften als Einfachstes. Lehm war vorhanden. Den Griffel eingedrückt, die Eindrucksform immer gleich, ein Keil, aber die Ausrichtung und mehrerer Anordnung in den vorhandenen zwei Dimensionen! Wäre Schrift dreidimensional entstanden, oh ja, wie?

Statt Punkt wie bei Braille Keil, das macht, sagen wir, acht möglich an der Stelle von eins. Macht bei sechs Punkten pro Zeichen statt zwei hoch sechs gleich 64 neun hoch sechs gleich 531441 mögliche Zeichen. Ein Text davon säe z.B. so aus:

keilschrift

Aber vier pro Zeichen sind auch mehr als genug, es wären neun hoch vier gleich 6561 Zeichen möglich und ein Text sähe so aus:

keilschrift_2

Um die Buschtaben beim Lesen nicht separieren zu müssen, wären zwei nur besser, 81 Zeichen sind ja auch mehr als genug:

keilschrift_3

Nach wie vor schlagen Japaner ein Buch von hinten her auf:

P4260242_450

Chinesen ursprünglich auch:

P4260241_450

Haben es aber irgendwann – aus welchem Grund noch? – angepasst:

P4260240_450

Wirklich von der Buche her? Warum nicht Eichrune?

Ursprünglich knoteten Chinesen Dinge in Schnüre. Wie 0 und 1, eindimensional. Cang Jie (仓颉) dann erkannte, dass man Fußspuren von Tieren als Repräsentanten ansehen kann. Und erfand die Schriftzeichen, zweidimensional. Auch die Zweidimensionalen kann man auf Eindimensionale bringen, wie in Wörterbüchern geschieht. Aber auch unsere, wie es im ASCII geschieht: A gleich 41 hex bis Z gleich hex 5A.

Mama sagen sie alle als Erstes, jedenfalls in den mir bekannten Sprachen. Und meinen Milch wohl, milk, le lait et 奶 năi.

Der arme Landpfarrer hatte verglichen mit seinem Bruder Schwierigkeiten:

Bei mir war das anders. Die Buchstabennamen wollten mir nicht einfallen, dann konnte ich die Silbe nicht sagen, die sie mir vorstellten, und beim Lesen waren die großen Wörter sehr schwer, und es war eine Pein, wenn sehr lange kein Beistrich erschien. (Kalkstein)

Beim braunen Mädchen dagegen gings ganz schnell:

Wenn die Kinder lernen mußten, stand es dabei und sah zu. Plötzlich konnte es einmal die Buchstaben sagen und konnte dann lesen. (Katzensilber)

Ah, Vokale, oh, Konsonanten,
Wohlklingenden Wörtern und manch dissonanten
Dient ihr, kein Träger des Sinnes noch nicht.
An sich, als „Oh“ und als „Au“ seid ihr schlicht.

„M“ meint mal lecker,
Wenn euch es geschmeckt.
„Ts“ heißt Gemecker,
Das gegen was bleckt.

„H“ heißt nicht Obacht,
Kein Sinn ist darin.
Folgt erst Vokal, dann macht
„Ha“, „He“, „Hi“ Sinn.

„K“ ist in diesem hier
Land nicht zu hörn.
Kuh sagen öfter wir
Zu Frauen görn.

„Kay“ sagen manche,
Denen „okay“ zu viel.
Oft sagt man Tranche,
Wenn Scheibe fragil.

„Ps“ ist geläufig,
Doch fand es noch nicht,
Obwohl so häufig,
Ins Buchstabengericht.

(Furchtbar.)

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: