Düsseldorfer Malerschule

Hier ward Petrarch bewirtet, hier gepflegt,
Und Ariost fand seine Muster hier.
(Torquato Tasso, 73-74)

Im Landesmuseum Bonn gleich hinter dem Bahnhof. Auf der zweiten Etage die Düsseldorfer Malerschule. An eine Konstellation roter Wände in der Mitte gehängt und noch beiderseits an die weißen:

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1. Carl Ferdinand Sohn (1805 – 1867), Die beiden Leonoren, 1834.
Es sollen die Leonoren aus Goethes Torquato Tasso sein, aber keine bestimmte Szene dargestellt. Sie stehen Hand in Hand auf einem Balkon hoch über einer Meeresküste. Eine hat dunkleres Haar, die andere rotblondes. Die Hellere hat einen Kranz auf dem Kopf mit krausen, roten Blüten und dunklem Laub, die andere trägt ein dünnes, dunkles Kopftuch und Diadem. Die rechte wohl die Sanvitale, die linke die von Este. Die Sanvitale charakterisierte gegenüber der von Este selbst ihre Differenz:

Das du, wie wenig andre, still und rein
Genießest. Drängt mich doch das volle Herz
Sogleich zu sagen, was ich lebhaft fühle,
Du fühlst es besser, fühlst es tief – und schweigst.
(Torquato Tasso, 85-88)

Sie frischer, ihr Spielbein ruht mit der Schuhspitze nur auf dem Plafond. Die andere düsterer, melancholisch. Beide glatte Gesichter und reine Teints. In beide obere Ecken hat Sohn gotisches Schnitzwerk gemalt.

2. Theodor Hildebrandt (1804 – 1874), Der kranke Ratsherr, 1833.
Auf dem Tisch aufgeschlagen eine Bibel mit farbigen Initialen. Darunter Papiere, auf einem „Vermächtnis“ zu lesen. Ein Tintenfass mit weißer Feder drin. Und eine ungeöffnete Ballonflasche mit einem Zettel am Hals. Eine Flasche Wein als Genesungsgeschenk oder ein Medikament? Ein Kind zutraulich an ihn herangerückt schaut ihn mit großen Augen fragend an. Vom Altersunterschied her eher eine Enkelin, aber doch Tochter wohl, denn hinten an der Wand hängt das Bildnis einer Frau, die verstorbene Mutter vermutlich. Sie hat einen Rosenkranz in der Hand und ein kleines Buch, vielleicht Gesangbuch, unter den Arm geklemmt. Am Gürtel hängt ein dicker Schüssel und etwas wie eine große Börse. Auf dem Weg zur Messe und der kranke Vater kann sie nicht begleiten? Im Bücherregal folgende Titel kenntlich: a) Corpus iuris civilis, b) Francis Petrarch, Trostspiegel, c) Frankfurter Staats…

3. Jakob Becker (von Worms, 1810 – 1872), Soldaten-Abschied, 1842.
4. Jakob Becker, Der heimkehrende Krieger, 1838.

5. Louis Ammy Blanc (1810 – 1885), Bild der Marie aus’m Weerth, 1836.
Marie die Schwägerin von Ernst aus’m Weerth, dem einstigen Direktor des damaligen Provinzialmuseums. Sie lebt in Bonn. Ihre beiden Töchter heirateten Düsseldorfer Maler. Sie ist abgebildet vor dem Rheintal, wie es bei Bonn aussieht nach Süden hin. Rechts soll der Rolandsbogen zu erkennen sein, links dann wohl der Drachenfels.

6. Louis Ammy Blanc, Die Kirchgängerin, 1837.
Ein berühmtes und oft nachgeahmtes Bild. Ausgestellt ist eine Wiedergabe dieses und anderer ausgestellter Gemälde auf Porzellanpfeifenköpfen, Porzellantassen, Lackdosen und einmal gewebt und wieder in einen Bilderrahmen gefügt. Idealisiertes Mittelalter. Blanc nahm ein Modell und stellte es in kostbarer, mittelalternder Kleidung vor die Westfassade des Kölner Doms auf den Balkon eines Gebäudes. Seine Türme enden unfertig, der rechte etwas höher. Heute rußig schwarz, sind sie im Bild leuchtend hell, wie von der Abendsonne beleuchtet. Unspezifisch die Hausdächer der Stadt.

7. Wilhelm Nerenz (1804 – 1871), Des Goldschmieds Töchterlein, 1833.
8. Wilhelm Nerenz, Des Goldschmieds Töchterlein, 1833.
Zwei von vier Serienbildern, die beiden anderen verloren.

9. Carl Wilhelm Hübner (1814 – 1879), Das Jagdrecht, 1846.
10. Carl Wilhelm Hübner, Die Schlesischen Weber, 1844.
11. Adolph Schroedter (1805 – 1875), Rheinisches Wirtshausleben, 1833.
Ein Gasthaus in Oberwesel. Schroedter malte für es eigens ein Wirtshausschild mit „Pfropfendreher“, heißt es in der Beschriftung, aber hier im Bild zeigt das Wirtshausschild einfach einen Ochsen.

12. Christian Eduard Boettcher (1818 – 1889), Heimkehr vom Schulfest, 1852.
Eine Kinderschar kommt fröhlich aus dem Wald heraus gewandert in stabilen Schuhen. Der Lehrer spielt Querflöte. Hinten öffnet sich der Blick in eine Ebene hinein, nichts Besonderes zu erkennen.

13. Adolph Schroedter, Uckermärkische Bauern, 1835.

14. Carl Wilhelm Hübner, Die drei Temperamente, 1845.
An der Wirtshauswand hängt als Bild im Bild ein zweifarbig schwarz-braunes Flugblatt mit „IHS / Der heilige Rock / in Trier“:

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Was der rechte (Wasser-)Trinker gerade in seinen Brief schreibt, konnte ich leider nicht entziffern, müsste aber möglich sein.

15. Henry Ritter (1816 – 1853), Im Atelier, 1845.
16. Franz Ittenbach (1813 – 1879), Doppelporträt von Johannes und Minna Ittenbach, 1842.
Es ist in roter Farbe signiert als in Gymnich gemalt am 11.20.1842.

17. Franz Ittenbach, Die Heilige Familie mit dem Schäfchen, 1862.
18. Andreas Müller (1811 – 1890), Die Heimsuchung, um 1850.
19. Heinrich Mücke (1806 – 1891), Übertragung des Leichnams der Heiligen Katharina zum Sinai, um 1840.
Vier Engel tragen Katharina über eine weite Meeresküste ohne Charakteristika. Der vorderste hält ein Schwert. Einer hat blaue Flügel, einer weiße. Alle fünf Personen weiblich. Katharina ruht im reinen, weißen Totenhemd mit zusammengelegten Händen, die Augen geschlossen, ums Haupt zwei dünne Gloriolenstreifen.

20. Wilhelm (von) Schadow (1788 – 1862), Pietas und Vanitas, 1840/41.
Unten mittig das Wappen des Auftraggebers, viergeteilt, in jedem Feld zwei rote Balken auf goldenem Grund, gedreht. Graf Franz Egon von Fürstenberg-Stammheim.

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21. Johann Wilhelm Schirmer (1807 – 1863), Waldlandschaft, ca. 1840-45.
22. Andreas Achenbach (1815 – 1910), Norwegisches Gebirgstal, 1839.
23. Andreas Achenbach, Fischerboote an der holländischen Küste, 1835.
24. Andreas Achenbach, Stürmischer Tag, 1876.
25. Eugen Dücker (1841 – 1916), Strandbild (auf Rügen), um 1885.
26. Carl Friedrich Lessing (1808 – 1880), Der heimkehrende Kreuzritter, 1835.
Das Schild zitiert einen „Rosenkranz“ von Ludwig Uhland:

Sieh! Im Eisenkleid ein Reiter
Zieht auf krankem Ross daher,
Senkt die Lanz‘, als müder Streiter,
Neigt das Haupt, wie schlummerschwer…

So ungefähr hängen die Bilder:

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Davor steht ein Betonklotz, ein gegossenes Auto. Denke an Wolf Vostell, aber das es als Kunstwerk identifizierende Schild ist weg. Dennoch muss es eins sein, was sonst? „Ruhender Verkehr“ vielleicht. Die Aussage? Bestimmt Sozialkitsch, äh, -kritik.

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