Gott würfelt nicht

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Vielleicht hat er seinen Sprachblitz woanders recyclet, aber zumindest hier im Briefwechsel mit Born steht er schon mal in nuce drin:

Die Quantenmechanik ist sehr achtungs-gebietend. Aber eine innere Stimme sagt mir, dass das doch nicht der wahre Jakob ist. Die Theorie liefert viel, aber dem Geheimnis des Alten bringt sie uns kaum näher. Jedenfalls bin ich überzeugt, dass der nicht würfelt.

Einstein am 4. Dezember 1926 an Born. Mit der inneren Stimme war Born natürlich nicht zufrieden. Intuition keine Sache eines kalkulierenden Wissenschaftlers. Gemein, weil gegen eine solche unfassbare Autorität kaum Logisches vorzubringen.

Der Alte vermutlich von Goethe geborgt: Mephisto in Faust V. 350: „Von Zeit zu Zeit seh ich den Alten gern.“ und nicht aus dem Fernsehkrimi. Die Betonung des Der, weist sie darauf hin, dass der Teufel als sein Gegenspieler dem Glücksspiel verfallen? Die Theodizee als ein Münzwurf? Bei Dostojewski ahnt mann’s.

Im verromantikitschten Schwarzwald trifft Born seines Zeichens 1929 auf Albert Schweitzer:

Richtige Erholung fand ich erst, als ich dem Sanatorium [in Konstanz, wo Gutbürgerliche offen ihre Hoffnungen auf Hitler setzten und gegen Juden hetzten] entfloh und nach Königsfeld im Schwarzwald ging. Auf einsamen Ski-Wanderungen kam ich mit meinen Sorgen zurecht. Und zuletzt lernte ich Albert Schweitzer kennen. Ich hörte im Vorbeigehen in einer Kirche wunderbares Orgelspiel und ging hinein. Dort fand ich vor der schönen Orgel den mir von Bildern wohlbekannten Dr. Schweitzer und redete ihn während einer Pause an. Er hat mir dann auf mehreren langen Spaziergängen von seinem Leben und seiner Arbeit in Lambarene erzählt. Das half mir, mein Gleichgewicht wiederzufinden.

Beim Namen Pringsheim schlug naturgemäß Manns Katja einen Funken, aber Ernst senior (1859-1917) != Alfred (1850-1941). Gemeinsame Wurzel spätestens bei Mendel 1794.

Edward Teller wird paar Mal erwähnt, in Briefen von 1933. Mein Opa erzählte, dass er mit ihm zusammen in Vorlesungen gesessen in Göttingen, wohin er von Leipzig ging. Ein schönes Tagebuch über meines Opas erste Tage in Göttingen gibt es noch, mit einer farbigen Zeichnung seiner Studentenbude, eingeklebten Unterhaltungsetablissementseintrittskarten und Berichten über die Wiederbelebung einer christlichen, nichtschlagenden Studentenkorporation. Nach wenigen Wochen hat er leider die Lust verloren. Tellers Lebenslauf zufolge war er in Leipzig zwischen 1928 und 1930. Mein Opa ist in einem Jahr geboren, das auf eine 5 endet. Es könnte 1915 – mein erster Gedanke – gewesen sein, aber auch 1905. Da Teller auch in Göttingen gewesen ist, wenn auch nicht mehr als Student, wie mir scheint, und zwar zwischen 1931 und 1933, kommen beide Zeiträume für ein Zusammensitzen in Frage. Wäre mein Opa 1905 geboren, wäre er in Zeitraum I zwischen 23 und 25 Jahren alt gewesen und in Zeitraum II zwischen 26 und 28 Jahren. Wäre er 1915 geboren, in Zeitraum I zwischen 13 und 15 Jahren und in Zeitraum II zwischen 21 und 23 Jahren. Am wahrscheinlichsten erscheint mir, dass mein Opa 1915 geboren ist und mit Teller in Göttingen zur gleichen Zeit am gleichen Ort war, obwohl der da schon doktoriert war. Heisenberg hat mein Opa sehr geschätzt. Teller nicht, als Christ, wegen der Wasserstoffbombe.

PS: Mit dem Geburtsjahr meiner Mutter 1938 stimmt 1915 auch besser überein als 1905.

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