Das Pferd

Inspiriert von wem wohl?

Das Pferd. Fallada, sein Kopf hängt überm Tor, Fallada, es bleckt seine Zähne, Fallada, seine Kuhaugen stehen heraus.

Zieht wer den Kopf ein und geht durch das Tor, spricht Fallada: „Ich weiß, was dir harrt“ und lacht. Der sich duckt, dem schleimt manchmal noch der Sabber aufs Haar, der aus Falladas schlecht schließendem Maul läuft. Meckernd lacht das Pferd.

Kommt ein Mann ohne Schatten an. Weithin war er noch, da begann Fallada schon zu wiehern. „So dünn und so groß“, sprach das knochige Haupt, „ein Scheinriese wohl?“ Und zuckte mit den Ohren. Seine Lider bogen sich ironisch, gelbe Zähne ragten hervor und die Lippen zeigten zurückgeschoben ein Lachen.

Der schlanke Mann wurde kleiner. „So, so“, sprach Fallada, „er wird auf normales Maß wohl schrumpfen.“ Und lachte heraus. Der Mann schlich sich heran. Der Gaul blickte auf ihn herab. Da –

Da schrie er auf: „Holla!“ Der Mann krümmte sich mehr. Der Gaul triumphierte: „Wo ist denn dein Schatten, he?“ Der Mann wurde ganz flach. Mit seinen Händen bedeckte er den Asphalt, platt lag er auf dem Weg. „He da, ich hab’s gesehn, als du aufrecht standst. Du warfst keinen Schatten!“

Der Mann versank im Bitumen. Der Blick des empörten Pferds hatte ihn geschmolzen. Das Pferd blieb wie ein König zurück und schaute streng in die Ferne. Genugtuung empfand es und würde Selbiges auch Nächstem antun, wagte er mit einer Differenz zu erscheinen.

Eine leise Stimme hinter ihm begann zu sprechen: „Du, Fallada!“ Das Pferd spitzte die Ohren. „Du, Fallada!“ Es scheute und schnob. „Du, Fallada! Differenzen sind wichtig.“ Das Pferd hatte kein Latein auf der Koppel gehabt und glotzte.

„Unterschiede, Fallada! Unterschiede sind nicht unerheblich.“ Die säuselnde Stimme erhob einen Sermon. „Schau dich an, Fallada! Du bist rumpflos. Siehst du andere hier, die rumpflos sind?“ Der Gaul schaute sich um und sah niemanden, der rumpflos war. „Na also“, sprach die Stimme. „Nun hör mich an. Ich bin ganz körperlos.“ Der Gaul wieherte laut, denn im Nu fühlte er sich dem körperlosen Wesen überlegen.

„Stopp!“, sprach ein Schutzmann. „Mit wem sprechen Sie da?“ Das Pferd schaute verdutzt in die Luft zwischen ihm und dem Polizisten. „Mit einer Stimme“, wollte es nicht sagen, aus Gründen. „Mit mir selbst“, sagte es, „mit mir selbst nur.“ „Selbstgespräche sind verrboten!“

Der Polizist salutierte, machte kehrt und Fallada wagte es, einen dünnen Speichelfaden auf sein Käppi rinnen zu lassen. Während der Polizist stramm davonging, errötete Fallada.

das_pferd_450x450

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: